Gaza – ein neuer Krieg?

Mit Sicherheit ist an dem Konflikt, der im Moment eskaliert nichts neues – die Spieler in diesem tödlichen Schlagabtausch sind alte Bekannte und die Wahl der Waffen hat sich nicht verändert – nur der Ort liegt weiter südlich. Und leider war es auch nur ein Frage der Zeit, wann es so kommen musste. 2005 hat Israel unter erheblichem Protest die letzten Siedlungen im Gaza Streifen aufgegeben. Es ist übrigens ein Trugschluss anzunehmen, dass „Israel“ mit einer Stimme spricht, wenn es um Waffengewalt geht. Innerhalb von Israel herrscht eine Meinungsvielfalt und die Entscheidungen des Parlaments haben oftmals nur wenig Mehrheiten. So gibt es auch Proteste um den neuerliche Einsatz von Waffengewalt – aber das nur am Rande.

Wie alles in Israel hat dieser Konflikt Geschichte, war zu erwarten und ist mitnichten neu. Begonnen hat alles 1948 mit der Staatsgründung Israels (eine sehr kurze Zusammenfassung) und seit dieser Zeit dauert dieser Konflikt an. Das Problem ist das gleiche geblieben – Israel hat einen Staat in einem Machtvakuum gegründet, war schneller als die Palästinenser, wurde anerkannt und seit dieser Zeit kämpfen diese zwei Völkergruppen (Palästinenser und Israelis) um das Territorium zwischen dem Libanon im Norden, Ägypten im Süden und Syrien und Jordanien im Osten. Gaza ist ein kleiner Streifen Land mit wenig Möglichkeiten – kaum landwirtschaftlich nutzbar, fast völlig abhängig von Israel mit wenig Ressourcen (ausser Grundwasser) versehen – die Leute, die dort leben können kaum anders als zum einen neidisch auf das reiche Israel blicken (Israel hat wirklich einiges an Wohlstand und Lebensstandart) zum anderen, beeinflusst durch die radikalislamische Hamas, sich als Brückenkopf verstehen – als strategischer Brückenkopf für Angriffe auf Israel. Darum fliegen von hier, vor allem aus der Stadt Bait Hanun aus Quassam Raketen auf Israelischen Boden. Da es auf Wikipedia fast alles gibt, gibt es auch eine Statistik mit den Zahlen der auf Israel abgefeuerten Raketen.Bild 1.jpg

Der Graph ist nicht wirklich aktuell, zeigt aber durchaus eine Tendenz – es werden seit 6 Jahren immer wieder Raketen abgefeuert und es werden mehr und mehr Abschüsse. Wie lange kann eine Nation ein solches Verhalten dulden? Nach einem fast 6-monatigen Waffenstillstand feuerte die Hamas, die auch de-facto die Regierung des Gaza-Streifens ist wieder auf Israelischen Boden. Die Antwort Israels wundert nicht – seit jetzt 60 Jahren ist die Politik Israels relativ gleich geblieben und lautet: Schlag so hart Du kannst zurück und wenn Du weißt, dass einer gegen dich aufstehen will, dann schlag ihn nieder, bevor er aufgestanden ist. Auf Seiten der Hamas/Hissobolah und vielen Drahtziehern der arabischen Welt, die hinter ihnen stehen heißt das Bekenntnis ganz klar: Vernichtet Israel, völlig.

Trotz aller Friedensbemühungen (der Papst, die Vereinten Nationen, etc.) ist unter den oben genannten Vorraussetzungen alles zu Erwarten – ausser ein Dauerhafter Friede. Freunde, die in Israel wohnen, sagen: Wir sind schon seit 60 Jahren im Krieg. 300 Tote sind zu beklagen und obwohl in den Medien davon gesprochen wird, dass viele davon Hamas Kämpfer waren, so sind natürlich auch Zivilisten betroffen, Frauen, Kinder. Wenn Staaten und Religionen kämpfen sind immer wieder die Menschen betroffen. Wie sehr braucht diese Welt Versöhnung, Hoffnung und die Möglichkeit sich nach jahrzehntelangem Streit vergeben zu können. Wenn das nicht möglich ist, dann wird es immer wieder so enden, wie im Nahen Osten im Moment. Ich bin traurig.

Propaganda oder wie die Hisbollah ihren „göttlichen Sieg“ über Israel feiert

Vor etwa einem Jahr ging der Krieg Israel-Hisbollah zu Ende (ich hatte damals viel dazu geschrieben). Die Hisbollah bezeichnet ihn als „göttlichen Sieg“, ich denke die Welt und Israel selbst wird das anders werten. Wir wissen ja schon etwas länger, dass es keine Sieger gibt und das „humane Kriegführung“ ein Mythos ist.

Die Hisbollah ist auf jeden Fall der Sieger bei der Bevölkerung des Libanon:

Die Hisbollah hat die Ausstellung auf einem leeren Grundstück errichtet, im Süden von Beirut, dort also, wo sie Schulen und Krankenhäuser unterhält, täglich Trinkwasser anliefert und den Müll abfährt. Der Staat hat sich hier nie richtig gekümmert, also kümmert sich Hisbollah.“ (Quelle: Tagesschau)

Was ist zu sehen?Panzer in der AusstellungSchautafeln, Diashows, Unmengen erbeuteter israelischer Munition und Gewehre, der Rest des Rotorkopfes eines abgeschossenen Helikopters – aufwendig und mit modernen Mitteln zeichnet Hisbollah das nach, was aus ihrer Sicht im letzten Sommer ein „göttlicher Sieg“ gegen Israel war. Die israelischen Beutestücke sind in Plexiglasschaukästen in den Boden eingelassen, wie auch das überlebensgroße Modell eines Merkava-Kampfpanzers; Dutzende dieser Panzer konnte Hisbollah während des Krieges zerstören.“ (Quelle: Tagesschau)

Ganze Familien lassen sich durch die Ausstellung führen und staunen über die starken Kämpfer der Hisbollah, die die Ãœbermacht Israels in die Flucht geschlagen haben. Die Kinder freuen sich über das neuste Videospiel der Hisbollah: „Auf einem Flachbildschirm läuft das neueste Videospiel, das Hisbollah produziert hat: Mit dem Ruf ‚Gott ist groß‘ stürzt sich der Hisbollah-Kämpfer in die Schlacht in Südlibanon, um die israelischen Angreifer zurückzuschlagen.“ Alle Ausstellungsstücke der Israelist sind unterhalb von den Besuchern angebracht: „Ali erklärt die Anordnung der Ausstellungsstücke: ‚Dies ist die Philosophie, dass wir alles, was israelisch ist, nach unten gelegt haben. Wir müssen nach unten schauen, um es zu sehen – wir schauen also auf Israel herab!‚ „(Quelle: Tagesschau)

Doch ist diese Ausstellung nur virtuell – die wirkliche Krise im Libanon, sozial, politisch und ökonomisch ist real. Durch den Krieg und die unnötige Zerstörung seitens der Israelis sinkt der Mut bei der Bevölkerung. Ich zweifle daran, dass diese Ausstellung das richtige Mittel ist, um den Wiederaufbau zu motivieren. Das Ergebnis „göttlicher Siege“ sind doch eher menschliche Kriege. Lassen wir die Helden zu Wort kommen (Der Krieg kommt schneller zurück als du denkst):

Wie weit ist weit genug weg
Wie weit ist weg?
Na warte

Wie weit ist weit genug weg
Zehn Finger breit
auf der Karte

(…)

Der Krieg kommt schneller zurück als du denkst
Du kriegst zurück was du verschenkst
Der Krieg kommt schneller zurück als du denkst
Du kriegst zurück was du verschenkst

Der Krieg kommt schneller zurück als du denkst
Du kriegst zurück was du verpennst
Der Krieg kommt schneller zurück als du denkst
Du kriegst zurück was du verpennst