Der behinderte Gott

Es gibt so viele Geschichten von Menschen, die eine Behinderung haben. Ich habe das Privileg ein paar davon zu kennen und ich lerne gern neue Geschichten dazu. 

Neulich schrieb eine Freundin, Mutter eines Down-Syndrom Kindes, darüber wie sie immer wieder damit kämpft, dass ihr Kind eine solche Behinderung hat, was es sie kostet und wie sich ihr Leben als Familie dadurch verändert hat. Und sie stellt die Frage nach Gottes Beitrag in all dem.

Normalerweise kneife in solchen Situationen. Da sollen doch bitte andere, weisere Menschen antworten. Diesmal – vielleicht weil ich gerade auf der Konferenz der evangelisch-freikirchlichen Gemeinden war und einen wunderbaren Tag zum Thema „Inklusion“ erleben durfte – war es anders. Ich schrieb: 

Nachdem ich erleben durfte wie Rainer Schmidt mit seiner Behinderung umgeht und uns zum Nachdenken gebracht hat. Habe ich eine andere Sichtweise bekommen. Er sagte: „In Gottes Augen sind wir alle behindert“ das musste ich hören. Und auch wiederholen. Ich bin behindert. Wir sind. Ich bin. Und dann ist mir aufgefallen, dass wir einem behinderten Gott folgen. Unendliche Größe kleidet sich in Stramplergrösse 50. Gott behindert sich in Jesus. Wird „dis-abled“. Das hat mir geholfen zu verstehen und zu lernen.

Klar können und sollen wir wachsen, an Wert gewinnen, werden. Das ist aber inklusiv. Wenn Gott behindert wurde, ich ebenso behindert bin, wie kann ich dann von Anderen als „behindert“ sprechen. Ich bin froh Menschen unterschiedlicher Behinderung zu kennen. Inklusion. Ein weiterer Teil davon was es bedeutet Mensch zu sein. 

Eine bunte evangelische Kirche mit freikirchlicher Organisationsstruktur

Vom 04.-07. Mai durfte ich als Gemeindegründer bei der Bundeskonferenz der evangelisch-freikirchlichen Gemeinden in Deutschland dabei sein. Das Motto lautete: „Bunte Gemeinde – Staunen über Christus im Anderen“ (Link führt zur Konferenzdokumentation).

Michael Diener vom Gnadauer Verband eröffnet die Bundeskonferenz mit dem Thema „Gott will bunte Gemeinde“

Natürlich war ich nicht allein – andere vom Gründerteam von „Weiter Raum Marburg“ waren ebenfalls anwesend, aber dennoch wusste ich nicht so ganz: was erwartet mich dort? Vielfältiges – neben dem hervorragenden Programm – z.B. Michael Diener als Anfangsredner, einem ganzen Tag, der dem Thema „Inklusion“ gewidmet war – inklusive Gottesdienst in leichter Sprache und Musik von einer inklusiven Band, weiteren Elementen, Berichte von Geflüchteten und Angekommenen und vielen, vielen Begegnungen mit Gründerinnen und Gründern, Pastorinnen und Pastoren und so vielen anderen Menschen mehr. Der Kabarettist, Pfarrer und Tausendsassa Rainer Schmidt hat uns zu Tränen gerührt – Lachtränen und Tränen der Rührung. Ich habe an diesem Abend mehr über meine Einstellung zu Menschen mit deutlicherer Behinderung als ich sie habe gelernt, als in meinem ganzen Leben vorher. Lachend.

Ein bunter Bund evangelischer Christen, die sich als Freikirche organisieren. Ich bin Menschen begegnen, die von ihrem Bund, dem weltweiten Bund, völlig überzeugt waren. 42 Millionen zählen sich immerhin weltweit zu dieser evangelischen Kirche. „Baptists“ – der

Paul Msiza (Präsident des Weltweiten Bundes der Baptisten) predigt

Präsident Paul Msiza war zu Gast und trotz der hochkarätigen Besetzung war das ganze sehr unaufgeregt, natürlich und leicht. Ca. 1100 Menschen in Kassel im Prinz-Max-Palais treffen sich entspannt. Und verhandeln dabei aber auch ernste und bewegende Themen als Bund. Da wurden kritische Töne geäußert, Rednerlisten geführt, Anträge gestellt und Meinungen ausgefochten. Aber eben in dieser Haltung: wir stehen zusammen und wollen das auch. Basisdemokratisch mit dem Stimmzettel in der Hand. Das Ganze macht auf mich einen guten Eindruck und manche schwierige Begegnung meiner Vergangenheit wurde versöhnt. Ich habe diese Tage als lohnenswert und tiefgängig erlebt und freue mich auf viele weitere Begegnungen mit evangelischen Menschen, die sich nach Art einer Freikirche organisieren. Da ist viel Freiheit in der Luft und das gefällt mir gut.

Die Kongressdokumentation findet sich hier.

Das Kongressvideo:

Die Bildmaterialien stammen von davidvogtphotography.com – alle Rechte verbleiben beim Urheber

Unterwegs Zuhause: Traumschiff

Am vergangenen Sonntag hatten wir ein bemerkenswertes „Unterwegs Zuhause“ von unserem Gemeindegründungsprojekt „Weiter Raum Marburg“. Unterwegs waren wir nach Friedelhausen und später an die Lahn. Sowohl das Schloss Friedelhausen, als auch das Hofgut haben ihre eigene Geschichte, die mit einer Vision, einem Traum begann.

Also haben wir diesen Punkt gewählt, um unseren Weg zu beginnen. Unsere Träume, Wünsche und Visionen haben wir auf kleine Zettel geschrieben. Diese wurden zu Segeln. Aber träume brauchen auch feste Punkte. Mittels kleiner Stöcke haben wir die Traum-Segel an Masten befestigt und schliesslich, weil man immer wieder Auftrieb braucht, diese mit Holz, Rinde oder ähnlichem zu einem Boot gebaut (siehe Bilder). Gespräche über Träume und vor allem auch geplatzte Träume gab es unterwegs zuhauf.

Der Höhepunkt war, dass wir unsere Traumschiffe dann in die Lahn gesetzt haben. Gebeten gleich losgelassen, entlassen und fahren lassen. Für die Einen war es das Loslassen eines vergangenen Traums, andere wiederum haben einen Traum zum Meer gebracht. Eine tiefer Moment. Mir werden diese spirituellen Spaziergänge immer wertvoller. Inspiriert hat ich übrigens der sperrige Vers aus dem Buch Prediger 11,1. Das nächste „Unterwegs Zuhause“ findet übrigens am 08.05. statt und führt uns wieder in den Ruheforst Marburg.

0,0 Prozent

Interessante Zahl aus dem Philosophie Magazin:
„Nicht ein einziger Isländer unter 25 Jahren glaubt, dass Gott die Welt erschaffen habe.
Doch das heißt nicht, dass es auf der Vulkaninsel keine Spiritualität gebe.
62 Prozent der Isländer halten die Existenz von Naturgeistern wie Elfen und Feen für möglich. Im kargen, asketischen Norden scheint sich somit ein Satz Feuerbachs zu bewahrheiten „Je mehr das Sinnliche verneint wird, desto sinnlicher ist der Gott, dem das Sinnliche geopfert wird.“ (Philosophie Magazin 03/2016; S. 12)

Es geht doch…

Vor ein paar Tagen haben wir als Familie das örtliche Kino besucht. Zoomania stand auf dem Spielplan. Im Trailer (siehe oben) konnte man bereits herzhaft lachen über eine Szene in einer Behörde, welche von Faultieren (welche Tiergattung auch sonst?) betrieben wurde. Als Sohn eines mittlerweile pensionierten Beamten natürlich doppelt witzig,weil ich doch so manchen Beamtentypus wieder erkannt habe.

Was mir aber hernach so gefallen hat waren die menschlichen Probleme, die die Tiere zu bewältigen hatten. 10 Klimazonen auf engstem Raum (wir übersehen die Mengen an Energie, die nötig wären um die Sahara, die Eistundra und den Regenwald nebeneinander), die noch so unterschiedlichen Tieren wie Eisbären, Maulwürfen, Giraffen, Elefanten, Panthern und Hasen ihr jeweiliges Habitat bieten. Und damit fangen in der Stadt Zoomania die Probleme an. Generell hat man – pardon tier – seine wilde Vergangenheit überwunden. Raubtiere leben gemeinsam mit ehemaligen Beutetieren auf den ersten Blick friedlich zusammen. Natürlich trügt der Schein und ruft eine junge Häsin names Judy Hopps (genial synchronisiert von Josephine Preuß) in den Polizeidienst. Das Nagetier-Landei erkämpft sich seinen Platz in der ansonsten von Muskel-Tieren dominierten Polizei gemäß dem amerikanischen Traum: In Zootopia, dem Land der Tiere, kann alles werden, was ich will. Und so kommt sie in Zoomania, der oben erwähnten Mega-City der Tiere, an, im wahrsten Sinne des Wortes „bright-eyed and bushy-tailed“. Allerdings ist nichts so schön, wie es scheint, denn Zoomania ist ein Ort voller Diskriminierung und Segregation der Tierrassen. Von der Elefanteneisdiele, die sich vorbehält andere Tiere nach Gutdünken des Ladens zu verweisen über die „Nagetier-Stadt“, die durch einen ca. 2,5 m hohen Zaun abgetrennt ist, bis zu dem Bürgermeister, der deutlich seine Überlegenheit als Löwe nutzt und seine Vize-Bürgermeisterin – ein Schaf – nach Kräften unterdrückt.

Und hier schlägt für mich das Herz des Films, dargestellt in den beiden Hauptfiguren – Nicholas Wilde (synchronisiert von Florian Halm), einem Draufgänger, Gauner und Trickbetrüger und der mutigen Selfmade-Häsin Hopps. Die beiden müssen ihre jeweiligen Vergangenheitserfahrungen verwinden und als Raub- und Beutetier eine Lösung für das unweigerlich auftauchende Komplott gegen die Einheit von Zoomania suchen. Fuchs und Hase zusammen. Dieses Paar hat inklusive Kraft, die weiter geht – angetrieben von einer gemeinsamen Mission schaffen sie es die innerlichen wie äußerlichen Unterschiede zu bewältigen um zu einem Team zu werden.

Das weckt selbstredend Gedanken an Löwe und Lamm, an ein Utopia besonderer Art. Und so ist auch der englische Titel des Films besser gewählt als der deutsche: Zootopia. Wir konnten mit unseren Kindern durch diesen Film Verschiedenartigkeit und Zusammenleben mit andersartigen Anderen zum Thema machen. Das war wirklich ein guter Kinobesuch mit Tiefgang. „Zoomania“ sei auch jedem Erwachsenen ans Herz gelegt!

 

Ostern im Garten

Ostern im Garten

Manchmal fallen einem die Bilder vor die Füße – an Ostern sind nur normale Dinge im Garten hier passiert und dennoch haben sie in ihrer eigenen Sprache von Ostern erzählt. Der Tisch der Gastfreundschaft in dem der Hungrige Nahrung findet, die Einladung an alle, sogar an diejenigen, die per Definition gegen die Tischgemeinschaft arbeiten. Bei dem Vogelhäuschen werden Eichhörnchen satt, Elstern, aber auch Gründfinken, Zeisige, Kleiber und was nicht noch alles für Getier. Jesu Tisch am Gründonnerstag lädt alle ein und bleibt durch die Jahrhunderte ein Zeichen für Inklusion. Unsere Umsetzung von „Weiter Raum Marburg“ hat 14 Menschen an einen Tisch gebracht, darunter 1 Teenager, 1 Junge Erwachsene, 1 Rentner, 1 Mensch mit Behinderung, 1 Katholikin, 2 Syrer, davon 1 orthodoxe Christin, 1 Muslim.

Der tote Vogel lag auf 1 Meter Höhe in einem Holzsstapel. Es gab keinen klaren Grund, warum er starb, er lag dort. Fast friedlich. Seine Artgenossen fliegen im Garten herum, streitend, schimpfend und voller Leben. Für ihn hat das Leben ein jähes Ende gefunden. Es war ein seltsames Stillleben. Das Leben ist still. Und so findet man den Tod im Garten als Selbstverständlichkeit, als Teil und dennoch als Frage. „Papa, warum ist der Vogel gestorben?“ fragten meine Kinder Sekunden nach dem Fund. Niemand kann so intensiv mit und für einen kleinen Vogel fühlen wie Kinder. Der Tod ist für sie noch zugleich namenloses Grauen und Normalität. Jesus starb durch das Kreuz, aber sein Tod ist ein Tod. Eine Normalität. Vor ihm starben viele, viele Menschen, nach ihm starben vielmehr Menschen. Und dennoch wurde uns mit uns an diesem kleinen Vogel wieder bewusst, dass der Tod eine Realität ist. Hart. Kalt. LebLos.

Und dann. Am Nachmittag des Ostertages gab es neues Leben im Gartenteich. Man hat ja förmlich darauf gewartet, so dick wie die Fröschin vorher durch den Teich geisterte. Aber wir kannten den Zeitpunkt nicht in dem sie ablaichen würde. Und da lag er dann, zunächst klein, aber immer mehr Flüssigkeit aufnehmend, raumgreifend und unübersehbar: Leben. Neues Leben. Es wächst im Kleinen auf und wird doch bald krabbeln, kriechen, sich ausbreiten. Im christlichen Rückblick war Jesu Auferstehung angekündigter Höhepunkt der Geschichte Israels. Kaum zu glauben, dass Jesu Nachfolger es nicht haben kommen sehen. Den Ostersonntag. Die Auferstehung, das neue Leben.

Manchmal kann man Ostern im Garten entdecken, wobei sich die Bilder förmlich aufdrängen. Mir bleibt Hoffnung, die Hoffnung der Auferstehung, die Hoffnung neuen Lebens. Manchmal kann man es in der Luft spüren, im Wind schmecken, im Licht ahnen. Für mich in diesem Jahr etwas besonderes, mein Garten-Osterfest.

Seth Godin „Über das Nein sagen“

Seth Godins schreibt immer mal wieder sehr interessante Dinge auf seinem Blog. Auf das hier hat mich Maria Herrmann aufmerksam gemacht (Danke!) und ich hatte gerade ein paar Minuten und hab es übersetzt (Englisches Original hier):

Wenn Du nicht stolz darauf sein kannst, dann hör auf dafür zu arbeiten

Wenn Du keine Chance darauf hast Deine Arbeit wirklich gut zu machen, sag nicht zu.

Wenn es Dich von dem wegbringt was wirklich zählt, lass es vorbei ziehen

Wenn Du nicht weißt, warum sie wollen, dass Du das tust, frag nach.

Wenn Du es vor Deiner Mutter verstecken müsstest, denk noch mal drüber nach.

Wenn es Dir etwas bringt, aber nicht denjenigen, die Dir etwas bedeuten, sag ab.

Wenn alle es tun ist es immer noch keine ausreichende Begründung.

Wenn Du damit eine Gewohnheit einübst, die Dich auf Dauer zu viel kostet, fang gar nicht erst an.

Wenn es Dich nicht vorwärts bringt, zögere ein wenig und lass es gut sein.

Der Sprint wird immer dringend erscheinen und der Kompromiss lacht verführerisch, aber der Marathon wird Dich immer wieder an die guten „Neins“ erinnern.
Anderseits: wir sollen auch „Ja-Sagen“ können. Sag „Ja“ und dann bau etwas auf das Sinn macht.

(Jugend-) Gemeinschaften gründen

Mein Kollege Richard und ich geben derzeit am CVJM Kolleg in Kassel einen Kurs zu „Neugründung und Wiederbelebung von Jugendarbeit und -gemeinde„. Wir haben die Kurswoche konzipiert und versucht eine Balance zwischen persönlichen Elementen (Motivation, Leiterschaft), gesellschaftlichen Voraussetzungen (Kontextanalyse, Milieus, Postchristliche Situation), theologischen Fragen (Missio Dei, biblische Impulse) und – last, but not least – auch praktische Tools (wie Kreativitätstechniken, Fundraising, Projektplanung und Rechtsform).

Was mich heute enorm begeistert hat war die Tatsache, dass die Studierenden auf die Frage „was erwartet ihr von einem solchen Kurs?“ fast exakt diese Themen nachgefragt haben. Wenn sich Selbstmotivation der Studierenden und Lerninhalte der Lehrenden in diesem Maße decken ist das etwas besonderes. Ich lerne viel und Richard rockt das Haus – im Foto mit dem Roten Faden der Missio Dei in der Bibel. IMG_3259

Amerikanischer Autoritarismus

Bei der morgendlichen Lektüre bin ich über einen Artikel gestolpert über den „Aufstieg des amerikanischen Autoritarismus“ (hier: Artikel auf vox.com)

Der Artikel ist lang und komplex und trotzdem empfehle ich jedem interessierten, englisch sprechenden die Lektüre. Es lohnt sich, wenn man das Phänomen Donald Trump verstehen will – immerhin ist er auf dem Weg Präsidentschaftskandidat der Republikaner zu werden (FAZ Artikel) und nach dem Obama Frust der meisten Amerikaner hat er auch gute Aussichten auf die Präsidentschaft. Das hatte vor 3 Monaten noch kaum jemand geglaubt. Jetzt sieht manches anders aus.

Warum unterstützen viele Amerikaner Trump? Ein Mann, der ausfallend, hasserfüllt und –selbstredend – unhöflich ist. Manche Christen lassen sich nicht blenden und so schreibt Max Lucado, bekannter Autor und Pastor, über seine „in-decency“. Andere Evangelikale scheinen Trump jedoch zu hofieren. Das lässt mich schaudern.

Hier sei ebenfalls auf die Wiederkehr von Mark Driscoll verwiesen. Fast unbemerkt gründet der  nämlich wieder eine Gemeinde. Gibt es da einen Zusammenhang zwischen der Art wie Driscoll agiert hat und dieser Autoritätsgläubigkeit/-hörigkeit von der der Artikel spricht?

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Von der Vergangenheit angenehm besucht

„Liebende schauen einander unentwegt an, Freund aber schauen in die selbe Richtung“ C.S. Lewis

Heute haben wir Besuch gehabt von lieben Menschen, die wir „von früher“ her kennen. 13 Jahre mindestens haben wir uns nicht gesehen. Trotzdem waren die Gespräch herzlich, die Gedanken tiefgängig und das Lachen ungekünstelt. Mit manchen Menschen geht das. Vielleicht liegt es auch an der gemeinsamen Lebenswelt, die zwar partikular unterschiedlich, aber im Ganzen ähnlich ist. Kinder, Job, Gemeinde(-e), ähnliche Erfahrungen. Immer mehr fällt mir auch auf, dass Verletzungen und schmerzliche Erfahrungen eine verbindende Wirkung haben. Da kann man am anderen das vertraute, alte entdecken und zu gleicher Zeit die Reife spüren. Manchmal ist die Vergangenheit angenehm, warm, vertraut. Obwohl die Lebenswege unterschiedliche Ziele haben ist die Richtung gleich geblieben. Das ist ein großes Geschenk!

weiter+raum: Zeit

Gestern Abend fand der zweite weiter+raum statt und er stand unter dem Thema Zeit. Von Augustinus bis Volker Schlöndorff hatten wir Elemente, die unverbunden-verbunden eine Beschäftigung mit „Zeit“ ermöglicht haben.

In dem Post findet ihr ein pdf mit dem Text von Augustinus, einen 10 Minuten-Film-Clip mit einer Umsetzung dieses Textes in Film, einige Bilder und den Augustinustext als Audiotrack produziert, eingesprochen von meiner Wenigkeit.

Ich bin begeistert über die Offenheit der Besucher, die Hingabe der Vorbereiter und die Präsenz Gottes in, unter und mit all dem, was gestern geschehen ist.


Die Erleuchtung – Augustinus über die Zeit

 

 

Haruurara – ein echter Star?

  Geschichten wie die von Haruurara, eines Pferds, das noch nie ein Rennen gewonnen hat, bewegen mich. Dieses Pferd hat mehr als 100 Rennen in Folge verloren und das in Japan. Wenn ich meine kulturellen Kenntnisse über Japan richtig deute, dann ist es eine Gesellschaft, die viel Wert auf Erfolg legt.

Für die Japaner wurde Haruurara zu einem Star. Warum? Warum ein Pferd, das konstant verliert?

Ich frage mich oft, ob ich verlieren darf, ob ich weniger sein darf und ob zum Schluss nicht alles sich um das Gewinnen dreht. Bekomme die Aufmerksamkeit Deiner Zuhörer, schreibe den intelligenten Beitrag, hab die zündende Idee.

100 verlorene Rennen sprechen gegen Haruurara. Oder für Haruurara? Es ist jetzt einfach zu nicken und zu sagen „klar ist es ehrenvoll zu verlieren“ oder „es ist ja irgendwie wichtiger zu sein als zu gewinnen„.
Kopfwertmäßig ist das Richtig. Aber wir funktionieren nicht über unseren Kopf. Haruurara ist keine Heldin. Haruurara stellt unser Verständnis und unser Gefühl für das was Erfolgreich ist auf den Kopf. Könnte ich mit 100 verlorenen Rennen leben? Haruurara, als Pferd, kann es wohl. Menschen aus Japan kaufen mittlerweile ihr Schweifhaar als Glücksbringer.
Ich will nicht 100 mal verlieren, aber ich habe Angst davor, dass meine Kinder verlieren oder Menschen die mir lieb sind. Was bin ich also wert? Und woran mache ich diesen Wert fest? 

Die Gegenfrage muss auch noch vorkommen: Was geschieht eigentlich, wenn ich ein Rennen gewinne? Ich bleibe mal nachdenklich und lasse diesen Post offen. 

Neue Arbeit?!

Es gibt vieles, was das Leben spannend und aufregend hält – beides bewusst gewählte Worte, die nicht nur positiv klingen und es auch nicht sollen.
Ich habe eine neue Arbeit begonnen, am 01.04.2015, und zwar hier: die Zeit beim CVJM Gesamtverband – die durch eine 4 (!) jährige Bloggingpause hier keinen Eintrag verbracht hat, ist vorbei.
Meine neue Stelle beschäftigt sich mit der Frage: wie können Gemeinschaften und Gemeinden eine Veränderung – eine Transformation – er-leben, durch-führen und/oder anstoßen. Das schwingt viel von dem letzten Eintrag in diesem Blog mit: Gesellschaftstransformation. Immer mehr Gemeinschaften, Gemeinden und Werke sehen die Notwendigkeit einer solchen Veränderung und wollen sie angehen, brauchen dazu aber oftmals einen Blick von außen. Dazu ist das LEAP Network da, in gewisser Weise also zur direkten Übersetzung des Namens „to leap = springen“. Es ist eine 75% Stelle und mit den anderen 25% bin ich TRAFO Gemeindeberater, Autor, Praxismentor, Dozent und … naja vielleicht reicht das erstmal.
Für mich und uns sicherlich ein „LEAP of Faith – ein Glaubenssprung“ müssen wir doch das erste Mal in unserem Leben einen Spendenkreis aufbauen, die mit uns zusammen unterwegs sind und das Anliegen Gemeinschaften und Gemeinden missional-transformatorisch werden zu lassen teilen. Und wenn wir uns kennen – es ist ja eigentlich keine neue Arbeit, sondern vieles, was ich schon lange Jahre gemacht habe, nur diesmal als Hauptberuf. Ich freue mich darauf!

Ein transformatorisches Gebet

Eben als Abschluss des Unterrichts:

Herr, mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens,

dass ich liebe, wo man hasst;
dass ich verzeihe, wo man beleidigt;
dass ich verbinde, wo Streit ist;
dass ich die Wahrheit sage, wo Irrtum ist;
dass ich Glauben bringe, wo Zweifel droht;
dass ich Hoffnung wecke, wo Verzweiflung quält;
dass ich Licht entzünde, wo Finsternis regiert;
dass ich Freude bringe, wo der Kummer wohnt.

Herr, lass mich trachten,
nicht, dass ich getröstet werde, sondern dass ich tröste;
nicht, dass ich verstanden werde, sondern dass ich verstehe;
nicht, dass ich geliebt werde, sondern dass ich liebe.

Denn wer sich hingibt, der empfängt;
wer sich selbst vergisst, der findet;
wer verzeiht, dem wird verziehen;
und wer stirbt, der erwacht zum ewigen Leben.

Franz von Assisi (1226)