Eine bunte evangelische Kirche mit freikirchlicher Organisationsstruktur

Vom 04.-07. Mai durfte ich als Gemeindegründer bei der Bundeskonferenz der evangelisch-freikirchlichen Gemeinden in Deutschland dabei sein. Das Motto lautete: „Bunte Gemeinde – Staunen über Christus im Anderen“ (Link führt zur Konferenzdokumentation).

Michael Diener vom Gnadauer Verband eröffnet die Bundeskonferenz mit dem Thema „Gott will bunte Gemeinde“

Natürlich war ich nicht allein – andere vom Gründerteam von „Weiter Raum Marburg“ waren ebenfalls anwesend, aber dennoch wusste ich nicht so ganz: was erwartet mich dort? Vielfältiges – neben dem hervorragenden Programm – z.B. Michael Diener als Anfangsredner, einem ganzen Tag, der dem Thema „Inklusion“ gewidmet war – inklusive Gottesdienst in leichter Sprache und Musik von einer inklusiven Band, weiteren Elementen, Berichte von Geflüchteten und Angekommenen und vielen, vielen Begegnungen mit Gründerinnen und Gründern, Pastorinnen und Pastoren und so vielen anderen Menschen mehr. Der Kabarettist, Pfarrer und Tausendsassa Rainer Schmidt hat uns zu Tränen gerührt – Lachtränen und Tränen der Rührung. Ich habe an diesem Abend mehr über meine Einstellung zu Menschen mit deutlicherer Behinderung als ich sie habe gelernt, als in meinem ganzen Leben vorher. Lachend.

Ein bunter Bund evangelischer Christen, die sich als Freikirche organisieren. Ich bin Menschen begegnen, die von ihrem Bund, dem weltweiten Bund, völlig überzeugt waren. 42 Millionen zählen sich immerhin weltweit zu dieser evangelischen Kirche. „Baptists“ – der

Paul Msiza (Präsident des Weltweiten Bundes der Baptisten) predigt

Präsident Paul Msiza war zu Gast und trotz der hochkarätigen Besetzung war das ganze sehr unaufgeregt, natürlich und leicht. Ca. 1100 Menschen in Kassel im Prinz-Max-Palais treffen sich entspannt. Und verhandeln dabei aber auch ernste und bewegende Themen als Bund. Da wurden kritische Töne geäußert, Rednerlisten geführt, Anträge gestellt und Meinungen ausgefochten. Aber eben in dieser Haltung: wir stehen zusammen und wollen das auch. Basisdemokratisch mit dem Stimmzettel in der Hand. Das Ganze macht auf mich einen guten Eindruck und manche schwierige Begegnung meiner Vergangenheit wurde versöhnt. Ich habe diese Tage als lohnenswert und tiefgängig erlebt und freue mich auf viele weitere Begegnungen mit evangelischen Menschen, die sich nach Art einer Freikirche organisieren. Da ist viel Freiheit in der Luft und das gefällt mir gut.

Die Kongressdokumentation findet sich hier.

Das Kongressvideo:

Die Bildmaterialien stammen von davidvogtphotography.com - alle Rechte verbleiben beim Urheber

Unterwegs Zuhause: Traumschiff

Am vergangenen Sonntag hatten wir ein bemerkenswertes „Unterwegs Zuhause“ von unserem Gemeindegründungsprojekt „Weiter Raum Marburg“. Unterwegs waren wir nach Friedelhausen und später an die Lahn. Sowohl das Schloss Friedelhausen, als auch das Hofgut haben ihre eigene Geschichte, die mit einer Vision, einem Traum begann.

Also haben wir diesen Punkt gewählt, um unseren Weg zu beginnen. Unsere Träume, Wünsche und Visionen haben wir auf kleine Zettel geschrieben. Diese wurden zu Segeln. Aber träume brauchen auch feste Punkte. Mittels kleiner Stöcke haben wir die Traum-Segel an Masten befestigt und schliesslich, weil man immer wieder Auftrieb braucht, diese mit Holz, Rinde oder ähnlichem zu einem Boot gebaut (siehe Bilder). Gespräche über Träume und vor allem auch geplatzte Träume gab es unterwegs zuhauf.

Der Höhepunkt war, dass wir unsere Traumschiffe dann in die Lahn gesetzt haben. Gebeten gleich losgelassen, entlassen und fahren lassen. Für die Einen war es das Loslassen eines vergangenen Traums, andere wiederum haben einen Traum zum Meer gebracht. Eine tiefer Moment. Mir werden diese spirituellen Spaziergänge immer wertvoller. Inspiriert hat ich übrigens der sperrige Vers aus dem Buch Prediger 11,1. Das nächste „Unterwegs Zuhause“ findet übrigens am 08.05. statt und führt uns wieder in den Ruheforst Marburg.

weiter+raum: Zeit

Gestern Abend fand der zweite weiter+raum statt und er stand unter dem Thema Zeit. Von Augustinus bis Volker Schlöndorff hatten wir Elemente, die unverbunden-verbunden eine Beschäftigung mit „Zeit“ ermöglicht haben.

In dem Post findet ihr ein pdf mit dem Text von Augustinus, einen 10 Minuten-Film-Clip mit einer Umsetzung dieses Textes in Film, einige Bilder und den Augustinustext als Audiotrack produziert, eingesprochen von meiner Wenigkeit.

Ich bin begeistert über die Offenheit der Besucher, die Hingabe der Vorbereiter und die Präsenz Gottes in, unter und mit all dem, was gestern geschehen ist.


Die Erleuchtung – Augustinus über die Zeit

 

 

Neue Arbeit?!

Es gibt vieles, was das Leben spannend und aufregend hält – beides bewusst gewählte Worte, die nicht nur positiv klingen und es auch nicht sollen.
Ich habe eine neue Arbeit begonnen, am 01.04.2015, und zwar hier: die Zeit beim CVJM Gesamtverband – die durch eine 4 (!) jährige Bloggingpause hier keinen Eintrag verbracht hat, ist vorbei.
Meine neue Stelle beschäftigt sich mit der Frage: wie können Gemeinschaften und Gemeinden eine Veränderung – eine Transformation – er-leben, durch-führen und/oder anstoßen. Das schwingt viel von dem letzten Eintrag in diesem Blog mit: Gesellschaftstransformation. Immer mehr Gemeinschaften, Gemeinden und Werke sehen die Notwendigkeit einer solchen Veränderung und wollen sie angehen, brauchen dazu aber oftmals einen Blick von außen. Dazu ist das LEAP Network da, in gewisser Weise also zur direkten Übersetzung des Namens „to leap = springen“. Es ist eine 75% Stelle und mit den anderen 25% bin ich TRAFO Gemeindeberater, Autor, Praxismentor, Dozent und … naja vielleicht reicht das erstmal.
Für mich und uns sicherlich ein „LEAP of Faith – ein Glaubenssprung“ müssen wir doch das erste Mal in unserem Leben einen Spendenkreis aufbauen, die mit uns zusammen unterwegs sind und das Anliegen Gemeinschaften und Gemeinden missional-transformatorisch werden zu lassen teilen. Und wenn wir uns kennen – es ist ja eigentlich keine neue Arbeit, sondern vieles, was ich schon lange Jahre gemacht habe, nur diesmal als Hauptberuf. Ich freue mich darauf!

No Limit

Es scheint ein Mantra von heute zu sein: Keine Grenzen. Ein illusorischer Schein, dem man sich dennoch allzugern hingibt. Alles ist möglich, dem der genug Geld hat. Oder genug Zeit. Oder die richtigen Freunde.

Wir fanden den Gedanken, dass es Dinge gibt, die wirklich grenzenlos sind und dann doch paradoxerweise wieder Grenzen anderer Art ziehen derartig spannend, dass wir unserem nächsten drei. Gottesdienst diesen Titel gegeben haben: No Limit.

Am Sonntag Abend in der Matthäuskirche, 18:30 Uhr. Wann hast Du das letzte Mal Deine Grenzen getestet?

Erwachsen werden…

Vermeindlich erwachsen zu werden ist eine gefährliche und eigentlich recht dumme Sache. Man verliert das Kindliche zu schnell und tauscht es gegen etwas ein, das nicht Erwachsen ist, sondern eigentlich kindischer und dümmer als ein Kind zu sein. Diese kurze Szene aus dem letzten Narnia Buch zeigt es recht deutlich – Susan Pevensie ist beim Ende der Narnia Chroniken nicht mehr dabei:

„Sir“ said Tirian, when he had greeted all these. „If I have read the chronicle aright, there should be another. Has not your Majesty two sisters? Where is Queen Susan?“

„My sister Susan,“ answered Peter shortly and gravely, „is no longer a friend of Narnia.“

„Yes,“ said Eustace, „and whenever you’ve tried to get her to come and talk about Narnia or do anything about Narnia, she says, ‚What wonderful memories you have! Fancy your still thinking about all those funny games we used to play when we were children.'“

„Oh, Susan!“ said Jill. „She’s interested in nothing nowadays except nylons and lipstick and invitations. She always was a jolly sight too keen on being grown-up.“

„Grown-up, indeed,“ said the Lady Polly. „I wish she would grow up. She wasted all her school time wanting to be the age she is now, and she’ll waste all the rest of her life trying to stay that age. Her whole idea is to race on to the silliest time of one’s life as quick as she can and then stop there as long as she can.“ (The Last Battle)

Wenn ich darüber nachdenke, wie viele der Jugendlichen, die in den letzten Jahren in meinem Umfeld größer geworden sind und bald „erwachsen“ sein werden, dann komme ich nicht umhin darüber nachzudenken, ob sie über ihre Zeit beim CVJM und ihr Leben mit Gott auch sagen werden: „Wer hätte gedacht, dass ihr Euch so gern an diese wundervollen Spiele erinnert, die wir als Kinder gespielt haben.“

Die Fakten aus Studien belegen, dass diejenigen, die als Jugendliche in einer christlichen Gemeinschaft waren und als 20+ wegziehen selten den Weg in eine christliche Gemeinschaft finden. In Neuseeland spricht man davon, dass mehr als 90% der Jugendlichen, die zum Studieren ihren Heimatort verlassen damit auch gleichzeitig ihre Gemeinde verlassen und keinen neuen Anschluss suchen. Natürlich meint das nicht, dass sie Gott verlassen, dennoch ist das „vermeintliche“ Erwachsen werden keine erstrebenswerte Sache. Erstrebenswert ist, seinen Platz zu finden. Den Platz, den man in Gottes Plan für die Welt einnehmen soll. Das ist zugleich mehr und weniger Spiel – mehr weil nichts schöner und lustiger ist als dort zu sein, wo man sein soll und weniger, weil es um etwas geht. Wie steht es mit Dir? Erwachsen geworden? Und wenn ja – wie? 😉

Adrian Plass in Karlsruhe

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Gestern war es also soweit: Adrian Plass kommt nach Karlsruhe. Mein Weg zu seinem Hotel in Leonberg war Björn-typisch und verdient einen eigenen Post – nur so viel: Es hilft nichts beim Auswählen eines Carsharing Autos das Häkchen falsch zu setzen.

Adrian und Christian Rendel waren aber super entspannt – auf Umwegen fuhren wir nach Maulbronn (die A8 war spektakulär voll) und besuchten das wunderschöne Kloster dort, tranken eine Tasse Kaffee und liessen die Ruhe und den Frieden des Ortes auf uns wirken. Mit Adrian unterwegs zu sein ist so, als ob man ihn schon immer kennt. Es ist völlig unmöglich sich in seiner Gegenwart aufgeregt oder nervös in irgendeiner Form zu fühlen. Man redet einfach. Über alles. Ehrlich, offen, tief. Vielleicht wie man es erwartet und trotzdem bleibt die Frage – wie schafft er das? Wie kann dieser Mann so leben und jedem das Gefühl vermitteln er gehört zur Familie? Toll war auch, dass Mirja und Emilia zu uns gestossen sind und wie so irgendwie „ganz“ mit ihm reden konnten. Christian ist natürlich auch ein faszinierender Mann mit dem ich mich im Auto angeregt über allerlei Gemeindethemen unterhalten habe.

Nach einem ausgiebigen Erkundungsgang über das Klostergelände und einem Besuch in der riesigen Kirche (mit einer spektakulär HÄßLICHEN Orgel) ging es dann weiter nach Karlsruhe. Hier gab es das übliche Aufbauchaos – in letzter Minuten entschieden wir uns dafür die blecherne kircheneigene Übertragungsanlage nicht zu verwenden und stattdessen mal eben schnell die CVJM Anlage zu holen. Adrian kam mit großen Augen (für ihn eine Seltenheit) auf uns zu und fragte: „Habt ihr nicht irgendwo eine andere Übertragungsanlage“ – wer kann ihm schon etwas abschlagen?

Der Abend selbst war groß. Großartig. Eigenartig. Adrian und Christian haben sich merklich entspannt und hatten selbst viel Spaß. Auch wenn ich Adrians Ausführungen zum Thema „Büstenhalter“ schon kannte war es trotzdem wieder endlustig ihn über die Poesie dieses Wortes sinnieren zu hören. Wir lachten, wir waren gerührt, wir kauften Bücher und aßen Brezeln. Wir stellten Fragen – tiefsinnige, lustige und sonst welche Fragen.

Das Highlight war, dass Mirja auch beim Abend dabei sein konnte, weil gute Freunde Emilia beaufsichtig haben. Wenn ich es recht überlege, war Marc damals ohnehin der Erste Mensch (ausserhalb der Familie), der Emilia auf dem Arm hatte. Passt also. Und dann, nach dem Abend unser langjähriger Traum: Indisch Essen mit Adrian Plass. Spektakulär unfreundlich war der Kellner, großartig war das Essen, angenehm die Gesellschaft. Mirja und ich haben uns prächtig amüsiert und zusammen genossen, gelacht und waren einfach da und wir selbst. Danke für einen tollen Abend! Danke an alle, die mitgeholfen haben. Ein Privileg, eine Lachnummer, ein erster und wunderbarer Gesprächspartner und für mich eine ernste Warnung: Nimm Dich selbst nicht so wichtig! Puh. Zuviel für wenige Worte…

Was ist Glaube

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„Faith is a state of constant transformation, permanent impermanence, lifelong change.“

Ein Tweet von Leonard Sweet, der mich gestern beeindruckt hat.

„Glaube ist der Zustand ständiger Transformation, Beständiger Unbeständigkeit, lebenslanger Veränderung.“ (Quelle)

Gefährliche Träume: Gemeindegründung

Wann hast Du das letzte Mal einen gefährlichen Traum gehabt? Ich rede nicht von einem Alptraum aus dem Du gern aufwachen würdest, sondern von einem Traum, der Dein Leben, Deinen Besitz und Deine Komfortzone in Gefahr bringt.

Ich hatte das Vorrecht gestern mit einer Person sprechen zu dürfen, die einen solchen Traum im Herzen trägt. Weg von bestehenden Mustern an einem Platz, den Gott zeigt missionale Gemeinde zu bauen. Ich war mehr bewegt auch im Nachhinein als ich mir selbst zugestehen wollte. Gefährliche Träume.

Ich frage mich manchmal ob wir durch unser Leben andere inspirieren gefährlich zu träumen. Wir, die wir gesetzt sind und unser Leben langsam auf die Reihe bekommen – der letzt Rest Chaos verschwindet im Kalender und der ToDo Liste, der letzte Rest Wagemut beim Gang zum Kontoauszugsdrucker. Wir können doch nicht – oder?

„Wann hast Du das letzte Mal etwas zum ersten Mal gemacht?“ ist eine Frage aus dem Buch „Ever Wonder“ (das ich jedem nur empfehlen kann!) Unterschätzen wir unsere Identität manchmal? Achten wir den Auftrag Gottes für gering oder sind wir schlicht überwältigt von dem Konsumerist Dream, dem westlichen Komfort und Behaglichkeitsdenken? Wie lange kann man Berufung wegen Beruf zurück stellen (wenn nicht beides zusammen fällt) – kurz: Erlaubst Du Dir gefährlich zu träumen?

Ich muss mich immer wieder ermahnen. In meiner Gemeinde/Gemeinschaft/Bewegung hier beim CVJM gibt es wenige gefährliche Träumer, die meisten davon sind unter oder um die zwanzig Jahre alt. Ich muss mich von ihnen immer wieder aus meinem Sessel befördern lassen und von ihrer Begeisterung anstecken. Neu gründen, neue Wege gehen, missional Leben, in Gottes Mission einsteigen.

Ich weiß, dass viele von Euch schon gefährlich Träumen oder kommt es mir nur so vor – ich glaube, dass gefährliche Träume nötiger sind in einer Krisen und Sicherheitsbedachten Zeit, wie wir sie im Moment erleben. Ich will wieder gefährlicher Träumen. Träumst Du mit? Wirst Du Deinem Traum ein Zuhause geben?

Scheidung

Ich denke über Scheidung nach. Nein nicht persönlich, sondern einfach über die Auswirkungen und die Fragen, die damit verbunden sind.

Im Moment gibt es eine Werbung von der Allianz Versicherung:

Jede Narbe hat eine Geschichte – wir sorgen für das Happy End

. Hinter jeder Scheidung steckt ebenfalls eine Geschichte. Die Frage ist nur: Wer sorgt für ein Happy End? Ich habe in letzter Zeit wieder stärker mit Menschen zu tun, die eine Scheidung durchgemacht haben oder als Kinder in einer Scheidung dringesteckt haben/drinstecken. Ich habe Angst davor, dass die Beziehungsfähigkeit der Kinder wie der Erwachsenen leidet. Angst vor der Trennung, Angst davor, dass alles vorbei sein könnte und vermutlich sogar sein wird macht Beziehungen zur Vorhölle. Bedingungslose Liebe und Vertrauen sind die Heilmittel für diese Narben. Und eine Gemeinschaft, die Mut macht und unterstützt, soweit ich das sagen kann. Vielleicht hoffe ich es auch nur, denn ich wäre gern Teil einer Gemeinschaft voller Hoffnung und bedingungsloser Liebe für Menschen, die unter einer Scheidung leiden. Mir ist übrigens auch bewusst, dass es auch Menschen gibt, für die eine Scheidung eine Erlösung darstellt. Oder auch Kinder, die berichten, dass ihnen die Scheidung ihrer Eltern nichts ausgemacht hat. Die Geschichten, die ich persönlich kenne sehen anders aus.

Ich fand dieses Bild von ASBO Jesus sehr bewegend zu dem Thema:

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(wenn unsere Ehe zerbrochen ist, wenn ich hier bin und du dort drüben.

Und wenn wir beide nur noch an unserem Glauben an Gott festhalten,

auch wenn wir den Glauben aneinander verloren haben,

stellt sich Gott dann auf die eine oder andere Seite oder

ist er auch einfach zerbrochen)

Harry Steele, der DREI. und die Kirche

Zeit für einen kurzen Rückblick auf den Besuch von Harry und Jez, den letzten DREI. Gottesdienst. Am Donnerstag den 05. März kamen die beiden hier an und wir haben uns, ähnlich wie damals in England, auf Anhieb wieder ausgetauscht, gemeinsam gedacht und ein gemütliches Bier getrunken.

Freitag waren wir dann zunächst im ICF zu einem Gespräch, danach im ZKM in der Ausstellung „Medium Religion“ – Pflicht für alle, die sich für eines oder beide der Themen interessieren! Hammer. Danach in der Wohnung, von der Harry schon so viel gehört hatte. Es war ein gutes Treffen mit Zwiebelkuchen (Danke Juliane!) und einem guten Abend. Leider ist mir dann irgendwann aufgefallen, dass ich den Kirchenschlüssel der Matthäuskirche nicht mehr dabei habe. Dumme Sache. Durch viel Mutmachen seitens unzähliger Leute (Ihr seid die Besten!) habe ich den Abend durchgestanden. Das Thema des DREI. war ja: Blind? Und das war mein erstes blindes Vertrauen an diesem Wochenende. Vertrauen darauf, dass der Schlüssel wieder auftaucht.

Was er dann auch getan hat: Ich hatte ihn pflichtbewusst an meinen Schlüsselbund geklickt. Nur leider an den Schlüssel des Carsharing Autos, den ich dann ebenso Pflichtbewusst wieder abgegeben hatte. Da kann man dann lange suchen. Gott sei Dank haben wir ihn Samstag Nacht dann wieder entdeckt. Puh.

Samstag morgen war mir übel. Ziemlich sogar. Ich ließ mir mein Frühstück noch einmal durch den Kopf gehen und der Tag hatte keinen guten Anfang. Nach einem kleinen, gemütlichen Brunch in der Wohnung und einem Spaziergang durch Karlsruhe kam dann Mirjas Anruf: Emilia ist von Stuhl gefallen, direkt und ungebremst auf den Hinterkopf. Ich kam gerade noch rechtzeitig zuhause an, um mitzuerleben, wie Emilia sich erbrochen hat. Sie war ohnehin schläfrig und nicht wirklich anwesend. Also: Kinderklinik. Gehirnerschütterung. Die erste Ärztin meinte, dass Mirja und Emilia 1-2 Tage im Krankenhaus verbringen sollten. Derweil drehte unsere Tochter schon wieder auf und war erstaunlich fit. Der zweite Arzt (nach drei Stunden in der Klinik) untersuchte sie nochmals sorgfältig und meinte, dass wir sie ruhig wieder mit nach Hause nehmen könnten. Gott sei Dank! Das wunderbare war, dass diese Arzt eine Jesus-Ausstrahlung hatte, wenn ihr versteht, liebevoll, geduldig. Gottes Geschenk für diesen Tag an uns. Ich schlief direkt neben Emilia beim Zubettbringen ein – mir war der Tag auch ein wenig viel. Harry hat am nachmittag mit Jez zusammen Freunde besucht und den Abend im Badischen Brauhaus verbracht.

Gemeinsam sind wir dann am Sonntag Morgen von Mirja zur Carsharing Station gebracht worden, um einen Van auszuleihen für die Transportfahrten des Tages. Tja. Und wenn mal der Wurm drin ist, dann ist er. Mirja fuhr gerade ab, als wir feststellten, dass das Buchungssystem unsere Buchung nicht erfasst hatte. Erst am Telefon in der Nowackanlage (mein Handy war leer und das Ladegerät lag noch in N5) konnten wir den Fehler bereinigen („So, jetzt müsste es gehen“, sagte der Mann vom Stadtmobil) und zurück laufen. Damit kamen wir viel zu spät zum CVJM Gottesdienst ins Waldheim. Nun ja. Aber die Gespräche waren fantastisch. Eine fremde Meinung ist Gold wert und wir kamen zu einer interessanten Erkenntnis: Um Gottes Auftrag für unsere Gemeinschaften umzusetzen, kann es sein, dass seine Kirche in Sheffield „weniger Kirche“ werden muss und die Gemeinschaft in der Wohnung beim CVJM hier in Karlsruhe etwas „mehr Kirche“. So fordert man sich gegenseitig heraus und begleitet den Weg des anderen.

Der Rest des Tages war stark vom Aufbau und der Durchführung des DREI. geprägt. Intensiv war die Zeit vorher für mich persönlich, denn nach den Erlebnissen der letzten Tage war meine Haut dünner als sonst. Um so mehr war es ein Vorrecht mit diesem Team zusammen in der Arbeit stehen zu dürfen. Wir sind uns glaube ich ein Stück näher gekommen und haben miteinander gelernt. Der Gottesdienst war einfach und kraftvoll. Eine wichtige Kombination und ein Meilenstein, denn er hat einiges in Bewegung gebracht. Ich bin gespannt, was sich daraus entwickeln wird.

Soweit mal in aller Eile und zwischendrin. Die Woche hat im Moment ihre eigenen Fragen und Herausforderungen wegen der Tragödie des Amoklaufs. So laufen meine Tage auch deutlich anders ab.

John Stott: Wie wir werden müssen

Gefunden in diesem wunderbaren Buch: „Unchristian: What a Generation Really Thinks About Christianity and Why it Matters“ (David Kinnaman, Gabe Lyons) S. 152

„We are faced, in fact, with tow different cultures, two value systems, two standards, and two lifestyles. Which shall we choose? If we are not to be like chameleons, changing color to suit our surroundings, what are we to be like?

The answer ist that we are to be like Christ. The eternal and ultimate purpose of God by his Spirit is to make us like Christ.“ John Stott rector emeritus, All Souls Church, London

Passt sehr gut zu dem Buch, das heute in den Druck gegangen ist (ich freue mich darauf, das Ding endlich in den Händen zu halten…)


„Der wilde Messias: Mission und Kirche von Jesus neu gestaltet: Mission und Kirche von Jesus neu gestaltet. edition novavox 1“ (Michael Frost, Alan Hirsch)

Aus einer eMail

Ich habe heute eine Mail erhalten, in der ein junger Mann über Gemeinschaft redet:

„…eine wirkliche Gemeinschaft zeichnet sich dadurch aus, dass ihre Mitglieder immer wieder ein Stück von sich selbst verschenken ohne dabei an sich und ihren eigenen Vorteil zu denken.“

Das überraschende dabei ist, dass er von der Gemeinschaft gesprochen hat von der ich ein Teil sein darf. Manchmal ist es gut die Meinung eines Aussenstehenden zu hören.

Gestern habe ich Mit drei Leuten darüber gesprochen, wie wertvoll sie in den Augen Gottes, aber auch in meinen Augen sind. Ich wünsche mir Gemeinschaften in denen das immer wieder der Fall ist – Augen, die müde und stumpf sind von schlechten Nachrichten, großen Belastungen oder begangenen Fehlern sollen sich in Jesu Gegenwart wieder aufhellen und Mut fassen.

Ich glaube fest daran, dass eine Gemeinschaft dann am missionalsten ist, wenn sie Jesu Leben für den anderen lebt – sei er bereits Teil der Gemeinschaft oder bloßer Besucher. Es ist der einzige mögliche Weg. Man braucht nicht Buber zitieren (obwohl er wert ist gelesen zu werden), um festzustellen, dass die Gemeinschaft mit dem anderen nicht nur Ausdruck, sondern vielmehr Essenz unserer Beziehung zu Gott ist. Dabei werden wir mitnichten zu einem kollektiven Wesen ohne Individualismus, sondern vielmehr ganz wir selbst in der Beziehung. Warum sollten wir als Ebenbilder Gottes erwarten, dass wenn er drei in eins ist, wir nicht auch viele in dem einem sind. Vereinzelt vereint.

Ohne die ständige Hingabe an ein ander wird unser Auftrag an seiner statt in dieser Welt unterwegs zu sein und ihn zu verkörpern zu einer Intellektuellen Rechtgläubigkeitsübung. Erschreckend ist, dass die Gemeinschaft unser Leben praktisch auf die Probe stellt, erleichternd ist, dass sie dabei als Gemeinschaft von Schuldigen weiß, dass wir immer wieder Scheitern.

Gott segne unsere und Eure Gemeinschaften – kannst Du uns heute Mut machen und etwas von Deiner/Eurer Gemeinschaft berichten? Schreib doch einen Kommentar!

Spiesser: Die Toten Hosen geben Religionsunterricht

Diesen Artikel von Campino und Co kann ich euch nicht vorenthalten, vor allem weil er auch online verfügbar (und auch druckbar) ist. In der letzten Ausgabe der „Spiesser“ einer Jugendzeitschrift mit einer Auflage von immerhin über 1.000.000 – gibt es kostenlos, z.B. in Kinos. Die macht immer eine Aktion, wo sie Stars als Vertretungslehrer in eine Klasse schickt. Und: Die Toten Hosen übernahmen eine Religionsstunde und haben ihre Sache ziemlich gut gemacht, wie ich finde. Es war eine 8. Klasse.

Campino:

„Ich habe mich sehr gefreut auf diese Stunde. Seit vielen Jahren beschäftige ich mich schon mit Religion. Mein Vater was Presbyter in der Kirche und ich saß sonntags immer hinten auf der Holzbank und wollte einfach nur, dass es vorüber geht. Trotzdem hat mich das Thema nie losgelassen. Immer wieder in meinem Leben habe ich mich mit Glauben beschäftigt. Die Auseinandersetzung damit sollte meiner Meinung nach niemals enden. Man kann zum Beispiel nicht einfach sagen: ‚Ich bin Katholik‘ und das dann zeitlebens nie wieder ernsthaft hinterfragen. Außerdem ist es nie zu spät ein- oder auszusteigen in die Religionsdiskussion. Die Option, Glaube als Kraftquelle zu nutzen – da würde ich jedem raten, nicht so schnell die Tür davor zuzumachen.“

Campino fragt diejenigen in der Klasse, die sich zu den „nicht-glaubenden“ zählen, warum das bei ihnen so ist. Mark antwortet:

„Ich glaube nicht an Gott, weil ich ihn mir einfach nicht vorstellen kann. Jesus schon eher, aber Gott…“

Was sehr fein einen Punkt des Buchs, das ich gerade übersetze unterstreicht – die Leute sind mehr an Jesus interessiert als wir denken und in Jesus wird Gott greifbar. Die Frage ist natürlich nur: Wie sieht Dein Jesus aus? Das Interview ist kurz, aber interessant…von den Toten Hosen erwartet man ja nicht unbedingt eine solche Meinung – früher klang das anders „Ich will nicht ins Paradies“ – aber auch das zeigt wieder mal, dass mehr gegen die institutionalisierte Kirche gewettert wird, als gegen Gott und Glaube…wann lernen wir es eigentlich? (Und wer ist „wir“?) 😉

Hier geht es zum Online Heft, Ausgabe Nr. 121, November 2008