Der Freitag

Zugegeben: Gestern waren wir spektakulär spät dran: Ich glaube der Beginn war 21:15 Uhr statt 19:30 Uhr, aber es war es wirklich wert zu warten. Anton hat gekocht und es gab frische Tappas oder Burritos oder wie auch immer man diese köstlichen gefüllten Fladen nennt (Update: Sie heißen Cassedias). Ich glaube ernsthaft sagen zu können, dass in den letzten Wochen beim Vorbereiten des Essens mehr Kräuter verwendet wurden, als in den 3 Jahren vorher…

Wir haben bewusst zusammen gegessen und zwar an einer Tafel mit Kerzen und Gesprächen. Der „Nachtisch“ war dann allerdings anderer Art – „Gott is(s)t mit“ vor ihm, mit ihm – wir haben uns an den letzten Abend Jesu, das letzte gemeinsame Essen, erinnert. Man könnte eine Wortstudie über „Essen“ in den Evangelien durchführen (bestimmt gibt es die schon) und würde mehr oder minder herausfinden, dass es die häufigste Aktivität Jesu war: Essen (vermutlich gleich hinter „gehen“, aber das ist evtl. nicht ganz so aussagekräftig). Jesus isst mit seinen Jüngern, er is(s)t da und das verbindet ihn mit ihnen. Die Enge im Cafébereich der Wohnung hat uns dann ins Wohnzimmer getrieben, wo wir zusammen dann den „Nachtisch“ begangen haben – das Abendmahl – zuerst konnte man auf Zettel schreiben und an die Wand hängen, was es einem bedeutet, dass Gott mit uns zusammen is(s)t – danach habe ich unten stehenden Text vorgelesen (der mir während der Sache einfiel und von daher nicht wirklich hohe Dichtkunst ist) und die Einsetzungsworte vorgelesen.

Wieder einmal war dieser Abend einfach und doch besonders, es gab viel zu Essen, Lachen und Begegnung mit Gott und einander. Natürlich. Simpel und doch wertvoll. Der Freitag in der Wohnung. Ein guter Tag.

Nachtisch

Nach dem Essen nahm
Jesus das Brot voll von Gram
sein Blut den Becher füllt
er teilt sich selbst
in Herrlichkeit und Leid zugleich gehüllt
Das Brot soll werden
eine Gemeinschaft auf Erden
sein Leib, seine Arme, seine Beine
er wohnt ihn ihr
so seltsam, so komisch und doch ganz seine
Das Blut enthält sein Leid
ein Kelch voll Kraft in Selbstlosigkeit
fragt uns: Wofür schlägt dein Herz?
er lässt uns nie in Ruh‘
Leben mit ihm ist Ernst und auch voll Schmerz
Gott isst mit uns
und in diesem Mahl
Gibt er sich uns hin(Björn Wagner)

Regelmäßiger Verzicht: Rück- und Ausblick Fastenzeit 2008

Die Fastenzeit ist mit dem Anbruch des heutigen Tages zu Ende. Wie sollte man auch fasten, wenn Jesus auferstanden ist? Geburt, Kreuzestod und Auferstehung Jesu ist ein Dreiklang, der meinen Jahresrhythmus bestimmt und mich immer wieder an diese Eckdaten des Lebens als Nachfolger erinnert. Die Fastenzeit in diesem Jahr war aus unterschiedlichen Gründen etwas besonders:

  1. Habe ich mich darauf vorbereitet und nicht erst im letzten Moment irgendetwas hektisches beschlossen zu fasten.
  2. Ich habe eine Niederlage erlebt, denn ich habe es nicht geschafft eine Woche komplett zu fasten.
  3. Hat es mir enorm gut getan nichts zu kaufen und ausgewählt zu essen/mehr selbst zuzubereiten. Ich hatte zwar ständig Hunger (Danke an alle, die mir geholfen haben, Äpfel geschenkt, Brot gespendet, Nudeln gekocht – weiß der Geier, ihr seid wirklich spitze!)
  4. War es enorm schwer nichts zu kaufen (ausser natürlich Mehl, Gemüse und derlei). „Ich gönne mir mal was“ „ach die DVD sieht nett aus“ „oh ein Sonderangebot – kaufen, kaufen, kaufen!!!“, denn es ist wirklich in mein Gehirn programmiert. Wenn es regnet, kauf ein, wenn die Sonne scheint, kauf ein, wenn die Tochter schreit, kauf ihr was. Was auch immer. Das musste ich lernen zu überwinden. Vermutlich kann das jeder von Euch, aber ich stelle den Einfluss der Konsumgesellschaft auf mein Leben und meine Identität fest und beschliesse auch weiterhin davon weg zu lernen und zu leben.
  5. Wir haben viel Zeit gespart, vor allem beim Einkaufen „Einfach nur rumgucken“ brauchten wir nicht. Wir hatten uns ja ohnehin vorgenommen nichts ausser den Grundnahrungsmitteln zu kaufen.
  6. Mir sind die Zusammenhänge von Konsumanregung und Konsumverhalten deutlicher geworden. Ich habe einiges gelesen und recherchiert, aber eben durch den Verzicht auch selbst erfahren und das ist für mich nachhaltiger.

Unser Fazit aus dieser Zeit ist einfach: Wir bleiben dabei! Und zwar beim „Ãœberlegt kaufen“ – nicht mehr „einfach so“, sondern eben überlegt und durchgesprochen. Dabei werden wir auch zukünftig unseren Speiseplan viel mehr selbst gestalten, als von anderen einfach Fertigelemente zu erhitzen. Es hat uns so gut getan, dass wir auch künftig auf Tiefkühlpizza und Co verzichten werden. Schokolade wird an den Wochenenden zu unserem Speiseplan dazugehören, damit auch das Gefühl von etwas Besonderem erhalten bleibt. Eine gute Erfahrung.

Es lebe die Schweiz!

img_2427cr2.jpgIch bin schon fast immer ein Fan unserer neutralen Nachbarn. Und seit dem wir „Gomer Cholera“ ausprobiert haben noch mehr! Es ist ein geniales Gericht mit Kartoffeln, Blätterteig, Zwiebeln, Käse und Äpfeln (!). Unser Festtagsessen am 2. Weihnachtsfeiertag. Kleines Land, Große Küche!!! Viva Schweiz – da stecken bestimmt noch viel mehr kulinarische Kostbarkeiten drin…img_2431cr2.jpg

Sitzungen…

Ich glaube ich bin kein Sitzungsmensch. Ich mag es nicht Tagesorndungspunkte abzuhaken. Ich rede gern gemütlich und esse und lebe. Gestern kam einmal mehr und damit zum wiederholten Mal die Frage auf: Sollen wir nicht aufhören vor unserer Sitzung zu Essen, weil wir dann schneller fertig sind? Wir haben gesagt: Nein, wollen wir nicht und weil die Mehrheit das gesagt hat, war’s beschlossene Sache.

Jesus hat viel mit seinen Leuten gegessen. Und das war auch echt gut so und wir tun als seine Nachfolger gut daran, Sitzungen irgendwie in einen Lebenskontext zu bringen. Und wenn wir nur am Anfang zusammen essen. Das ist so viel praktisches drin. Und so viel Liebe und Gemeinde. Sitzungen. Ich mag sie deswegen immer noch nicht.

Knusperone

Beim Reden fiel uns auf, dass wir schon lange von einer Firma profitieren (ihr vermutlich auch, ohne es zu wissen), die gut deutlich macht wie man leben und produzieren sollte: Knusperone.
Knusperone – schon mal gehört oder? Jedenfalls, wenn ihr jemals ALDI Müsliriegel, ALDI Müsli, ALDI Schokoflocken oder andere Cerealien gegessen habt – sie haben alle gemeinsam, dass sie in Lüneburg vom DE-VAU-GE Gesundkostwerk hergestellt wurden.
Was ist jetzt besonderes daran? (Heike weiß es schon) Dieses Werk wird von den Adventisten in Deutschland geführt. Jetzt muss man ein paar Sätze zu den Adventisten sagen – eine ihrer Kernwerte ist ein verantwortungsvoller, wenn auch etwas restriktiver Umgang mit Nahrung. Sie haben als Ziel Gesund, wenn möglich vegetarisch oder gar vegan zu leben. Also bauen sie eine Firma auf, die dieses Ziel verfolgt.
Als Shelley und Doug Pagitt in Deutschland waren (beides Gesundesser) war Shelley ganz begeistert von dem einfachen Knusperone Müsli – interessant, oder? Diese Firma der Adventisten hat es geschafft DER Zulieferer von ALDI für sämtliche Flocken und Gesund-/Müsli Nahrungsmittel zu werden. Gut umgesetzte Kernwerte, denke ich. Und ein Beispiel, wie man das machen kann. Von den Adventisten lernen – ich tue das gern! Handle nach Deinen Kernwerten, baue eine Firma auf, die Arbeitsplätze schafft und zugleich der Gesellschaft in der Du lebst dient und Deine Werte bekannt macht. Und zugleich hinterfragt es Deine Werte – sind sie relevant für die Gesellschaft? Wenn ja, werden sie mit Sicherheit auch einen Markt finden. Danke DE-VAU-GE!