Archive for Oktober, 2007

Über “nachvollziehbar”

Simon postet mutig (ich denke, er hat vorher gefragt, ob er dieses Gespräch posten darf…) ein Zwiegespräch zweier Leute auf dem Symposium in Greifswald. Darin unterhalten sich zwei über ein Café das die Gemeinschaft des einen betreibt. (Lest es einfach es lohnt sich!)

Ganzheitlichkeit und Gottes Botschaft ausleben ist immer noch ein radikaler Schritt. Ich bin glücklich aber auch hier nicht viel sagen zu müssen (bald wacht meine Tochter auf und der Umzug rückt immer näher), denn Hufi macht sich sehr gute Gedanken. Ich darf ein wenig zitieren, Hufi?

“Neben der Frage, ob etwas nachvollziehbar ist, über die ich gestern schrieb, gibt es noch einen weiteren wichtigen Grund, warum es traditionell-evangelikal denkenden Menschen schwer fällt, “emergentes” Handeln und Denken zu verstehen: Die aufgehobene Trennung zwischen säkular-weltlichen und sakral-göttlichen Dingen.
Eddie Gibbs & Ryan K. Bolger schreiben darüber in Emerging Churches ein ganzes Kapitel (Kapitel 4: “Transforming Secular Space”):

Bei “Sakralisation” [dem Prozess alles im Leben sakral/geistlich/heilig zu machen] geht es in Emerging Churches um eine Sache: Die Zerstörung der sakral/säkular-Aufteilung der Moderne. Die Moderne war geprägt von der Geburt der Idee des säkularen Raums, das ist die Idee eines Bereichs ohne Gott. Vor dieser Zeit waren in jeder Kultur alle Bereiche des Lebens geistlich; es war unmöglich einige Handlungen als “religiös” und andere als nicht zu bezeichnen. […]
Der Postmoderne (oder Nicht-Moderne) geht es um die Heiligkeit des ganzen Lebens. Für Emerging Churches bedeutet das, das ganze Leben an Gott in Anbetung zu übergeben und das Handeln Gottes in ehemals ungeistlichen Dingen oder Aktivitäten zu erkennen.

[Gibbs/Bolger, Emerging Churches, 66 - eigene Übersetzung]

Wenn ich von dieser sakral/säkular-Aufteilung ausgehe, kann ich natürlich den Sinn eines Cafés ohne klar evangelistisches Ziel nicht so gut erkennen. Auf diese Trennung bzw. auf die Nicht-Trennung weisen auch Onkel Toby und Depone in ihren Kommentaren hin.” (Quelle: Ein Augenblick.de)

Ich muss bekennen, dass ich das immer noch nicht wirklich verinnerlicht habe, sondern zunächst noch immer eine gedankliche Schranke überwinden muss, denn Prägungen verschwinden nicht leicht. Ich kenne Gespräche dieser Art und das “Nicht verstehen können, warum man etwas so und nicht anders macht”. Neulich hat mir jemand gesagt: “Nachdem ich den Blog Tiefebene” gelesen habe, habe ich endlich verstanden, was du sagst. Gut, dass es so viele Leute gibt, die sich über ähnliche Sachen Gedanken machen und dann auch noch darüber schreiben.

Helden, Greifswald und die Kinder

Ich habe am Wochenende gleich zwei Veranstaltungen verpasst, weil ich das Kinderprogramm auf dem CVJM Mitarbeiterwochenende gestaltet habe. Am Freitag waren “Wir sind Helden” in Karlsruhe und haben ein recht kurzes (ca. 2 Stunden) Konzert gegeben, dass unglaublicherweise nicht ausverkauft war (Meine These ist: Die Helden sind zu schlau für Deutschland!) und ich muss sagen, als dann eine MMS mit einem Konzerteindruck auf meinem Handy ankam war es schon schwer für mich nicht dort zu sein.
Nachdem ich neulich was zu Virtualität und Realität geschrieben habe, freue mich mich “virtuell” Greifswald (man traf sich dort zum “Symposium Kirche und Postmoderne”) nachvollziehen zu können. Hufi hat eine gute Übersicht über alle bisher geposteten Beiträge zusammen gestellt. Hochinteressante Vorträge wie z.B. Darrel Gruder “Die biblische Prägung missionarischer Gemeinden: Missionarische Ekklesiologie und Hermeneutik” (Dosi – mein Mitschreibeheld…) werden im Netz zusammen gefasst. Übervoll war es, aber vermutlich ein Meilenstein in der deutschen Theologie – so mein Eindruck von allen Posts, die ich bis jetzt gelesen habe.

Kinder erleben die Welt so anders, so einfach und im Moment – ich habe am Wochenende viele glückliche Kinderaugen gesehen und das hat mich für verpasste theologische Gedanken und tiefsinnige Heldenlieder entschädigt.

Ein Bekenntnis: Fußball ist nicht meins

Ich habe ja ein Stöckchen von Peter zugeworfen bekommen, aber muss bekennen: Fussball ist nicht meins.

Das ist in meinem Umfeld tatsächlich schwierig, jetzt da der KSC wieder erstklassig ist und eine Erfolgsmeldung nach der nächsten verbucht:

Den Anfang hatte Markus Miller gemacht, Mario Eggimann und Tamas Hajnal legten nach. Bei der Umfrage nach den besten Spielern der bisherigen Bundesliga-Saison ist dem KSC ein Hattrick gelungen. Die Positionen Torwart, Abwehr und Mittelfeld gingen nach Karlsruhe.” (Quelle: KSC/Bundesliga.de)

Das zieht natürlich Kreise in meiner Umgebung. Aber es ist immer noch nicht meins. Ich hatte ein Bekenntnis versprochen und ich bekenne als Kind mit Fussball angefangen zu haben, aber ich die sprichwörtlichen “zwei linken” Füße habe. Zumindest habe ich einfach kein Tor reinbekommen. Als Jugendlicher habe ich dann eine deutliche Abneigung gegen den Menschenschlag entwickelt, der kein Fußball spielt, aber Samstagsabends die Bundesliga mit Bier und Bemerkungen wie “Nun lauf doch, Du Säckel” vom Sofa aus kommentiert. Und so habe ich mich bis auf die obligatorischen Weltmeisterschaften aus dem Rasensport rausgehalten.

Das Stöckchen ist also bei mir in einer Sackgasse gelandet und hat mich zum bekennen gebracht. Fussball ist nicht meins.

Gemeinschaften und Krisen

Jeder bestätigt einem die Höhen und Tiefen des Lebens. Es gibt sie und auch als Gemeinschaft ist man nicht vor ihnen gefeit, im Gegenteil: Gemeinschaften durchleben viele Krisen. Manchmal scheint die Krise Dauerzustand zu sein, manchmal bemerkt man die Krise erst wenn es zu spät ist. Interessant sind die Charaktere, die sich anhand einer Krise offenbaren.

Es gibt die “Nichts-wie-weg-wir-verlassen-das-sinkende-Schiff” Fraktion, denen die “wir-gehen-mit-dem-sinkenden-Schiff-unter” genau entgegen gesetzt sind. Es gibt die “Wer-ist-denn-schuld-an-der-Krise?” Sucher und die “ich-weine-wegen-der-Krise-nur-noch” und viele mehr. Ich habe jetzt in den unterschiedlichen Gemeinschaften in denen ich mich so bewege schon verschiedene Krisenzeiten mitgemacht und ein gespaltenes Verhältnis zu ihnen. Aus dem Rückblick alles gut? Denkste! Trennungen, Spaltungen, viele Fragen. Heilung, Versöhnung, “wir-stehen-gemeinsam-wieder-auf” oder “mit-Gottes-Hilfe-schaffen-wir-das” ist eher selten, wenn auch durch diejenigen, die tiefes Vertrauen haben immer wieder sanft in die aufgewühlten Wogen der Krisengeschüttelten Gemeinschaft gesprochen. Letztere helfen mir immer am meisten, obwohl ich mich eher zu den ersteren zählen muss…
Ich schreibe das, weil ich denke, dass in Krisenzeiten Vertrauen an Gott und aneinander wichtiger ist denn je. Ich weiß nicht, ob ich das immer habe oder hatte, wenn es darauf ankam oder kommt. Aber ich wünsche es mir wieder mehr. Vertrauen kommt mir manchmal vor wie ein Schmetterling. Zart, Zerbrechlich, durch den kleinsten Wind aus der Bahn geworfen und doch wäre die Welt ohne Schmetterlinge kein schöner Ort. Die Schönheit des Vertrauens kann dem häßlichen Gesicht der Krise die Stirn bieten. Ich will vertrauen, dass unsere Gemeinschaften immer wieder aus Tiefen zu Höhen kommen. Und das das einem guten Plan entspricht und uns selbst demütig hält. Machst Du mit? Brauchst Du auch manchmal Vertrauen? Dann bedeutet Dir vielleicht das letzte Gedicht von David viel…

Schmetterlinge

Ihre feinen, zarten Flügel
flattern freudig durch die Lüfte.
Majestätisch über Hügel
jagen Lichter, Farben, Düfte.

Schmetterlinge werden sterben!
Warnen Tierschutzfachverbände.
Prophezeien Leid auf Erden,
wenn das schöne Tier verschwände.

(zu ende Lesen musst Du schon auf seinem Blog...am Besten den Feed abonnieren…)

Ansonsten…

habe ich ja grad keine Zeit zum bloggen…Umzug, Mitarbeiterwochenende, Büroarbeit machen…ahh…also nicht wundern, wenn immer mal eine längere Pause ist…

Virtuell

Virtualität ist wichtiger als Realität.

Ist das so oder ist das nicht so?

Mehr…Schwein, Kultur und so

Nur weil es so witzig ist.

Da hat doch jemand einen Kommentar zu dem Merschweinchenbild geschrieben und mich darin beschimpft. Micha verteidigt mich heldenhaft. Aber die Geschichte verdeutlicht sehr schön das andere Kulturen anders ticken. In Peru isst man Meerschweinchen. (Bilder gibt es hier, hier und hier) Und man züchtet sie zum Essen.

Wie ihr gesehen habt sehen sie zubereitet nicht mehr so süß aus. Trotzdem essen sogar kleine Kinder (wirklich, du gucken!) die süßen Schweine. Was in der einen Kultur normal ist, wird in der anderen geächtet.

Ein schönes Beispiel für kulturell angepasste Bibelübersetzung gibt es von einem Amazons-Indianer-Stamm – die essen jeden Tag, tagein, tagaus Fisch aus dem Fluß. Eines Tages kommt so ein nettes Wycliff Bibelübersetzer Team vorbei und alphabetisiert den Stamm und erarbeitet eine Übersetzung des Neuen Testamentes mit dem Ätesten dieses Stamms, sie kommen an den Text Mt. 7, 10 “Oder, wenn er ihn bittet um einen Fisch, eine Schlange biete?” Der gute Vater gibt Fisch statt Schlange. Die Übersetzer versuchen es wörtlich. Die Stammesältesten schauen deprimiert drein. “Ja ist Gott denn nicht ein guter Gott?”, fragen sie. “Natürlich ist er das”, erklären die Übersetzer. “Ja, aber warum enthält Gott seinen Kindern die gute Schlange und gibt den stinkenden Alltagsfisch?” – etwas ratlos erfahren die Wycliff Jungs, dass Schlange eine Delikatesse in diesem Stamm ist, während Fisch so das Essen ist, dass schon keiner mehr sehen kann. Gut ist man zu seinen Kindern und Gästen, wenn man ihnen Schlange gibt. Um also der Bergpredigt gerecht zu werden muss man für diese Kultur diesen Text folgendermassen übersetzen: “Wo ist der Vater, … oder wenn er ihn bittet um eine Schlange, einen Fisch bietet.”

Genau das Gegenteil, weil die Kultur sonst nicht versteht wie Gott ist. Darum macht Inkarnation Sinn, Kontextualisierung oder was auch immer. Auf jeden Fall mussten die Wycliff Jungs bei den Leuten leben, um zu verstehen wie man Gott ausdrückt. Und so ist das mit Meerschweinchen und anderen Sachen eben auch.

Kulturen sind wirklich spannend und interessant ich empfinde es als sehr wichtig immer mal wieder über meinen eigenen Tellerrand hinaus zu schauen, um zu verstehen wie ich eigentlich geprägt bin. Und wie ich Gott in meiner Kultur ausdrücken kann. Ich finde es schön dabei nicht allein zu sein. :-)

Burma

Free Burma!

Ich unterstütze die Befreiung von Burma auch virtuellerweise. Lest aber auch Marks Post, der auf mögliche Folgen hinweist.

Neue Wohnung ab 01.11.2007

Ganz plötzlich fast wie aus dem Nichts haben wir eine neue Wohnung bekommen. Für uns unglaubliche 110 qm (abzgl. Dachschrägen) und das in Karlsruhe-Rüppurr. Balkon gibt es keinen, leider, dafür lauter praktische Sachen die das Leben einfacher machen: einen Trockenkeller (nicht mehr Wäsche in der Wohnung verteilen), eine Garage für Fahrräder und den Kinderanhänger und das ganze auch noch bezahlbar.

Interessant dabei ist, dass es das Rüppurrer Pfarrhaus ist – wir werden mit zwei Pfarrern untern einem Dach wohnen.

Falls ihr Eure Adressbücher auf den neuesten Stand bringen wollt: Kraichgaustrasse 4, 76199 Karlsruhe-Rüppurr.

Hihi.

Kinder Bücher Transzendenz

Jim KnopfEin gewagter Titel? Eigentlich nicht. Ich lese gern und ich lese gern Kinderbücher. Warum ist eigentlich ganz einfach – ein gutes Kinderbuch kann immer auch von einem Erwachsenen gelesen werden. Kinderbücher erzählen, mehr noch als Bücher, die für die Großen geschrieben wurden, Geschichten. Geschichten der Sehnsucht.

Ich glaube die Sehnsucht ist es, die eine gute Geschichte ausmacht. Die Sehnsucht dabei sein zu wollen, in das Buch, mitten in die Geschichte einzutauchen. Kinder haben die seltene Gabe sich völlig und (das ist wirklich erstaunlich) immer wieder völlig in einer Geschichte zu verlieren. Der erlauchte Leser dieses Blogs ahnt schon worauf ich mit “Transzendenz” abziele. Wir sehnen uns nach dem was hinter den Geschichten liegt, hinter den Filmen, hinter den Buchstaben. Worte erschaffen etwas in unserem Herz, das einer Schöpfung gleichkommt. Hier bin ich versucht Anleihen bei Platon zu machen. In dem was wir lesen wird eine Idee, eine Saite in uns zum klingen gebracht, von der wir nur dunkel ahnten, dass es sie gibt – es ist unsere Ahnung, unsere Sehnsucht nach dem Transzendenten, dem Jenseitigen, dem gänzlich anderen und doch so vertrauten. “Es gibt zu wenig Echos der Hörner aus Elfenland” hat J.R.R. Tolkien zu C.S. Lewis gesagt. Und “alle Geschichte sind doch nur ein Nachhall der einen, wahren Geschichte”.

Im Sehnen, dem Loch in unserem Herzen verstehen wir, dass wir auf ein Gegenüber hin geschaffen wurden, von einem Gott, der kein Gegenüber nötig hatte, aber dennoch sich entschlossen hat selbst zu sehnen, selbst zu brauchen. Die Fülle selbst, das überfließende Herz zerbricht in der Sehnsucht, die wir auch spüren, wenn wir wieder lernen dem Echo in den Geschichten zu zu hören. Die wahre Geschichte wie ein Kind zu verstehen.

Weißt Du von was ich rede?


Vernetzt

Archive

Kategorien