Jahr der Stille 2010

Jahr der Stille

Gut finde ich die Initiative „Jahr der Stille 2010. Gottes Lebensrhythmus entdecken“ – Stille ist für mich noch eher ein Bedrohung, selten eine Erholung und nur wenn ich mich wirklich darauf einlasse ein Platz zur Gottesbegegnung.

Persönlich freut mich also, dass aus einem unterschiedlichen Kreis von Werken und Kirchen diese Initiative kommt. Und so kann ich mich auch in der Planung von 2010 schon darauf einstellen – Stille. Das letzte Mal greifbar war diese Stille für mich in dem Film „Die große Stille“ der mich nicht zum Einschlafen gebracht (wie viele Leute, denen ich den Film zeigte), sondern zum Aufwachen.

Die Ziele dieses Projekts sind:

  • Den Lebensrhythmus Gottes im Alltag verwirklichen.
  • Gott in der Stille suchen. In ihm ruhen und sich gelassen an seiner Gegenwart freuen.
  • Gott im Gebet begegnen und achtsam sein Wort lesen.
  • Eine Neujustierung vornehmen für eine gesunde Balance zwischen Ruhe und Aktion
  • Stille-Zeiten, Retraiten und Fastenangebote neu entdecken
  • Hilfreiche Muster erlernen und sich austauschen über Erfahrungen mit der Stille.
  • Stille-Elemente einbauen in den Alltag von Familie, Beruf und Gemeinde
  • Als Leitungs- und Mitarbeiterkreise endtecken, wie Entscheidungen aus dem Hören auf Gott getroffen werden.

Den Info Flyer gibt es hier zum Download, die Webseite gibt es hier.

Gedanken zur Missio Dei (Sendung Gottes)

Beim Erarbeiten eines Artikels über Gemeinschaft und Dreinigkeit gefunden und gedacht: Zu gut, um es Euch vor zu enthalten:

„However, the traditional concepts of mission, evangelism and church planting remain difficult to accept in today‘s pluralistic world. Polarization goes on: on the one hand, history has witnessed to many missionary movements that have walked hand in hand with ‚triumphalist colonial-style arrogance‘; on the other hand, our world is weighed down by an over-polite and considerate postmodernist relativism that continues to deconstruct all points of reference for many in the church, divesting them of any passion for mission. Both of these positions are equally abusive of God‘s expanding grace, …“ (Accad/Corrie, Trinity, In Corrie: Dictionary of Mission Theology, S. 398)

„Wie auch immer – die traditionellen Sichtweisen von Mission, Evangelisation und Gemeindegründung sind in unserer pluralistischen Welt von heute nicht mehr zu halten. Und die Pole entfernen sich immer weiter von einander: Auf der einen Seite berichtet uns die Geschichte von missionarischen Bewegungen, die geprägt waren von einer „Siegessicheren Kolonialherrschaftsähnlichen Arroganz“, dem gegenüber steht ein kaum zu ertragender, überhöflicher und vorsichtiger postmoderner Relativimus. Dieser hört nicht auf die Orientierungspunkte vieler Kirchen zu dekonstruieren und so jegliche Leidenschaft für Mission zu rauben. Gottes Gnade, die sich weit ‚der Welt‘ entgegen streckt, wird durch diese beiden Pole gleichermaßen missbraucht…“(Accad/Corrie, Trinity, InCorrie: „Dictionary of Mission Theology: Evangelical Foundations“, S. 398 – Ãœbersetzung B.Wagner)

If we understood the full implication of christ‘s calling for us to take the good news to the world in the same way that he brought it to us, there would be little need for our petty arguments about the orally proclaimed gospel versus a gospel of social action. Christ‘s proclamation as we have it in the written witnesses is not one that made choices between one technique of proclamation or another. Rather Christ‘s gospel is a fully released initiative of creative proclamation, ever seeking to add ways to express the divine love to humanity, rather than finding excuses to eliminate one or the other means of expression. This is evangelism at its best! (Accad/Corrie, Trinity, In Corrie: Dictionary of Mission Theology, S. 400)

„Wenn wir nur die Bedeutung der Berufung Christi an uns verstehen würden, die darin besteht die gute Nachricht der Welt in genau der gleichen Weise zu bringen in der er selbst sie gebracht hat, dann würden unsere kleinlichen Diskussionen über dem „auf der Verkündigung des Wortes basierten Evangelium“ gegen ein „Evangelium der aktiven sozialen Gerechtigkeit in Taten“ gegenstandslos werden. Den Berichten in den Evangelien zufolge hat Jesus keine Entscheidungen zwischen der einen und der anderen Art und Weise der Verkündigung getroffen. Statt dessen verkündigt Christus das Evangelium mit voller Entschlusskraft kreativ und beschreitet immer neue Wege darin, der Liebe Gottes zu den Menschen Ausdruck zu verleihen, anstatt statt ’nur‘ nach Ausflüchten zu suchen die eine oder andere Form abzulehnen und zu verwerfen. Das ist Evangelisation in Bestform!“ (Accad/Corrie, Trinity, In Corrie: Dictionary of Mission Theology, S. 400 – Ãœbersetzung B.Wagner)

ach ja…drei.

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Hab’s völlig vergessen hier anzukündigen – Schande über mich. Wir haben eine Gottesdienstreihe angefangen, die sich „drei. “ nennt (oben sieht man den Flyer für den 1. Gottesdienst).

Bei unserem Startgottesdienst waren für uns überraschende 130 Personen da und 20 Leute von der Wohnung haben mitgemacht. Bilder und ein paar Infos findet man auf der Webseite.

drei.athome-karlsruhe.de

CVJM Kolleg

Ich sitze gerade im ICE nach Karlsruhe. Hinter mir liegt ein anstrengender, aber guter Tag. Nachdem ich heute morgen noch Kabel und Stecker für Starkstrom abgeholt habe, bin ich in den Zug gestiegen und nach Kassel gefahren.

Es war mein erster Aufenthalt im CVJM Kolleg – viel mehr als den Kurs, den ich geben durfte, habe ich auch nicht mitbekommen. Zum Gespräch hat es nachher leider nicht mehr gelangt – da war mir mein Zug dann doch wichtiger. Aber auch so habe ich leider Verspätung und finde es zum wiederholten Male sehr seltsam nicht in der Wohnung sein zu können, also nicht zur rechten Zeit.

Ich merke wie sehr mir die Leute und die Wohnung ans Herz gewachsen sind gerade dann, wenn ich nicht da sein kann, wie jetzt. Es ist eine echte Gemeinschaft geworden zumindest für mich. Aber zu dem was heute in Kassel passiert ist:

Ich war eingeladen eine Vorlesung im Rahmen der Ekklesiologie (Lehre von der Gemeinde) über „Emerging Church“ zu halten. Und es war gut, sehr gut sogar. DIe Studenten haben gut mitgemacht, engagiert diskutiert, intelligent rückgefragt und der Aufbau der vier Stunden war solide.

Ich bin jetzt ein wenig ausgepowert, aber glücklich und konnte im Schnee nach Hause fahren. Fein. Jetzt noch der Gottesdienst am Sonntag und danach ein wenig Ruhe und Frieden und Zeit mit der Familie. Der Jahresabschluss naht….

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England: Common Worship

415GQ60CQXL._SL160_.jpgEine (außer-)gewöhnliche Sache durfte ich miterleben bei Harry und Zoe – morgens treffen sich Harry und zwei seiner Mitarbeiter zum Gebet. Nicht jeden Morgen gemeinsam, aber an zwei, drei Tagen in der Woche. An sich noch nichts besonderes und doch irgendwie schon, denn sie benutzen ein Buch dazu: „Daily Prayer (Common Worship: Services and Prayers for the Church of England)“ (Church House Publishing) und das vereinigt sie mit vielen Menschen in ihrem Land. Früher war es das „Book of Common Prayer“ welches 1662 erstmals aufgelegt wurde. Harry, als ordinierter Pastor der anglikanischen Kirche, gibt sogar das Gelübde, dass er jeden Morgen und jeden Abend mit diesem Gebet beginnt und beschliesst. Am Anfang war es für mich etwas befremdlich, aber sehr bald wurde es zu einer wunderschönen Erfahrung und auch jetzt lese ich es gern, zumindest am Morgen. Es hat unterschiedliche Teile, Psalmen, Gebete, Passagen aus dem Alten und Neuen Testament, Fürbitten, Dank und Lob und sogar Erinnerungen an „Saints“ der anglikanischen Kirche. Und es verbindet eine ganze Kirche in einer Art und Weise, wie es die Herrenhuter Losungen nicht wirklich können. Da es bei uns morgens vom Aufwachen von Emilia an recht turbulent zugeht, stelle ich fest, dass eine bestimmte und irgendwie geführte Zeit mit Gott heilsam ist, hilfreich und – so hat es Harry ausgedrückt – wie „Porridge“ (Haferbrei – Arbeiterfrühstück) „es ist nichts wirklich besonderes, ein gewöhnliches Frühstück, aber wenn Du es zu dir nimmst, merkst Du, wie es dich sättigt und lange durch den Tag trägt.“ Stimmt.

Links:

Offizielle Seite der Kirche Englands

Transforming Worship in der Kirche Englands

Das tägliche Morgen-Gebet aus dem Buch „Daily Prayer: Common Worship…“ (es wurde zwar gesagt, es gäbe einen Feed, aber bei mir funktioniert das nicht – kann einer der Kompetenten Jungs mal schauen? Ich hätte das gern als Feed…Danke!)

Das tägliche Abendgebet aus dem Buch „Daily Prayer: Common Worship…“

Ich sollte…

…eigentlich jetzt schlafen gehen. Aber wie so mancher Abend treibt mich die Frage um, was es noch zu tun gibt.

Nach einem Abend wie diesem, mit Gottesdienst und der Ahnung aus Lukas 10, 25-37, dass Jesus es wirklich gemeint hat, dass wir praktisch helfen sollen. Anfassen und praktisch lieben. Zu tun gibt es selbst zu beginnen, wie aber soll man beginnen, wenn man nicht aufhört an anderer Stelle? Wie woher Zeit und Kraft nehmen? Dumme Fragen mit recht einfachen Antworten, die aber, wie den Akt, den man zaghaft verwirklicht sehen mag, nicht wirklich gefallen, da sie mit Änderung des ach so bequemen Lebens einhergehen.

Ich habe immer wieder gesagt, dass diejenigen, die einen Gottesdienst vorbereiten meist am meisten davon gewinnen, obwohl sie in der Sprache von vielen „nur geben“. Ich kann das nicht verstehen. Ich nehme von Gott Fülle um Fülle. Manchmal werde ich müde, aber nur körperlich. Mich selbst herauszufordern und ehrlich zu sein, auch wenn es wehtun mag ist heute nicht mein Ziel gewesen und dennoch sind wir als Gottesdienstgemeinschaft in N5 dort an gekommmen.

Ich muss morgen weiter denken, denn jetzt fallen mir doch die Augen zu…

Kirche in England: Kulturell aktiv sein bei „Teenage Kicks“

Ein paar Reflektionen von unserer Zeit in Sheffield habe ich noch im Kopf und hoffentlich finden sie ihren Weg auch nach und nach hier her.

Untergebracht waren wir, wie schon erwähnt, bei Harry Steele, dem Youthdeacon der All Saints Kirche in Sheffield. Seine Geschichte ist schon faszinierend genug (aus deutscher Perspektive) – von Hause aus ist Harry nämlich Pfingstler und hat auch eine Pfingsbibelschule besucht – macht nichts, sagt die Church of England und hat ihn trotzdem ordiniert und ihn nach Cambridge zum weiterstudieren geschickt. Man denke sich das in Deutschland – ohne Universitätsabschluss geht da gar nichts. Harry hat die Jugendarbeit in der All Saints weiter und ausgebaut.

ntt_image_83Ein interessantes Projekt, das ich mir anschauen konnte war „Teenage Kicks“ – im Prinzip eine Discoveranstaltung für alle unter 18 Jahren. Laut, turbulent und wahnsinnig gut organisiert kommen da bis 300 Teenager zum Abtanzen, feiern, X-Box zocken und chillen in den Gemeindesaal der All Saints. Dieser verwandelt sich durch viel Aufwand und ein wahnsinniges Materialaufgebot (Lichtanlage, Technik vom Feinsten) in eine recht erwachsene Disko. Das größte Event in Sheffield für Teenager wird von einer Kirche veranstaltet – es gibt auch immer 2 Bands, die auftreten – eine davon ist irgendeine Band aus Sheffield, die sich extra für dieses Event beim Teenage Kicks Team bewerben müssen.

Wenn man von Kirche als Kultur beeinflussender Größe spricht, dann ist Teenage Kicks bestimmt ein Schritt in dieser Richtung. Gepredigt wird nicht von vorne, nur durch die Freundlichkeit, die Liebe zum Detail, die Teenagerfreundlichen Preise und den festen Willen dieser Altersgruppe einen richtig guten Abend zu machen. Einzig in einer Ecke läuft eine Präsentation mit den übrigen Veranstaltungen ab, zu denen man einlädt. Der Event hat viele Mitarbeiter (mehr als 20) und die Stimmung bei denen war klasse, obwohl sie wirklich viel arbeiten um das alles möglich zu machen. Auf meine Frage: „Denkst Du, dass sie schon in sich eine Gemeinschaft bilden“ war die Antwort: „Natürlich“ einige der Mitarbeiter sind nicht wirklich Teil der All Saints Church, fühlen sich aber diesem Team zugehörig und leben und arbeiten für Gott an diesem Platz.

Ich fand das beeindruckend und hat mich sehr an das Konzept von „Communitas“ bei Alan Hirsch erinnert. Ein Zeitraffer Video von Mai 2007 gibt es hier zu sehen, das den ganzen Event vom Aufbau bis zum Abbau dokumentiert. Ich habe im November 2008 noch deutlich mehr Technik und so gesehen, aber man bekommt einen ganz guten Eindruck (Klick.).

Zwei Menschen: Ein Gedanke

Gestern hatte ich zwei schöne Begegnungen mit gänzlich unterschiedlichen Menschen. Und Umständen. Eine mit einem alten Freund in seinem neuen Leben und die andere mit einer recht jungen Bekanntschaft in für mich ungewohnter Umgebung.

Beide jedoch stellten gänzlich unabhängig voneinander die gleiche Frage an mich: Wie baut man Gemeinschaft, die bleibt? Gemeinschaft, die ein Leben lang besteht?

Jugendliche finden Jesus, bauen intensiv Beziehungen auf, leben in einer Gemeinschaft wie z.B. der Wohnung so weit sie es können miteinander, teilen ihren Alltag und ihren Glauben und all das, was dazu gehört. Sie werden älter und haben die Chance in die CVJM Großfamilie, die Gemeinschaft der Mitarbeiter überzugehen (manche tun das) – wie aber gestaltet man Gemeinde so, dass man darin mehr als eine Lebensphase verbringen kann? Viel zu oft erlebe ich Erwachsene, die irgendwie ihrer „Jugendzeit“ hinterhertrauern und in der Lebensphase in der sie stecken sehr unzufrieden sind.

Wie baut man Gemeinschaft, die bleibt? Ortsgemeinde habe diesen Vorteil, sagen die einen – sie ist einfach da und bleibt da. Kommunitäten sprechen die anderen – Leben praktisch teilen. Freundschaften. Natürlich hängen diese Fragen auch mit meiner persönlichen Entwicklung zusammen – ich werde 2009 34 Jahre alt. Alt genug, um zu erkennen, dass wir nicht verpassen dürfen den 15 Jährigen eine Gemeinschaft zu geben, die sie begleiten kann und will. Der Barna Report gibt mir mehr als genug Anlass solche Fragen zu stellen.

Was sind Deine Lösungen? Was sind Lösungen Deiner Gemeinschaft? Ich wäre an einem Dialog sehr interessiert!

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Es liegt schon ein paar Tage auf meinem „noch-nicht-gelesen“ Stapel und jetzt komme ich endlich dazu: Eine wirklich krasse Studie der 16-29 Jährigen In Amerika und deren Sicht des Christentums. Die Untersuchung bezieht sich nur auf Amerika, aber manches sollten wir trotzdem hören – es mag prophetisch sein/werden.

In einer Anfangsstudie („Unchristian: What a New Generation Really Thinks about Christianity S. 29-30) identifiziert David Kinnaman 6 generelle Wahrnehmungen und Meinungen der genannten Altersgruppe über das Christentum:

  1. Heuchlerisch/Scheinheilig (Hypocritical) das eine sagen, das andere tun. Sie sagen, dass Christen vorgeben moralisch hochstehender zu sein, ein Hochglanz Bild von sich selbst zur Kirche zu tragen, anstatt ehrlich zu sein. Die Christen erzeugen den Eindruck, dass die Kirche nur ein Ort für die tugendhaften und moralisch einwandfreien Menschen sei.
  2. Sie wollen doch ohnehin nur meine Bekehrung! Aussenstehende fragen sich, ob es uns wirklich um sie als Menschen geht oder ob wir sie nur als ‚Zielgruppe‘ sehen. Sie hinterfragen unsere Motive, wenn wir ihnen Jesus mit den Worten anbieten: Lass dich retten! Sie fühlen sich unverstanden, weil viele von ihnen die Sache mit Jesus „ausprobiert“ haben und Erfahrungen mit Kirche gemacht, ‚die sie nicht aufnimmt‘.
  3. Gegen Homosexualität. Aussenstehende sagen, dass wir uns den Meinungen und Ãœberzeugungen anderer verweigern und gegenüber Schwulen und Lesben nur Missachtung zeigen. Sie nehmen Christen so wahr, dass sie darauf fixiert sind Homosexuelle zu ‚heilen‘ und politische Schritte gegen sie zu erwirken.
  4. Zu behütet. Die Aussenstehenden denken, dass Christen altmodisch, langweilig und realitätsfern sind. Sie sagen, dass wir es mit der komplexen Realität des Lebens nicht ihr entsprechend umgehen, sondern nur einfachen Lösungen und Antworten geben. Wir Christen werden als unwillg wahrgenommen – unwillig mit dem Staub und Dreck des Lebens in Berührung zu kommen.
  5. Zu Politisch. Es wird Christen vorgeworfen nur eine politische Agenda zu haben und eine konservative Sicht des Lebens zu forcieren.
  6. Richtend. Aussenstehende denken, dass Christen sehr schnell darin sind andere zu richten. Sie meinen, dass wir nicht ehrlich dazu stehen, was wir wirklich über andere Menschen denken und ihnen auch nicht ehrlich gegenüber treten. Sie zweifeln daran. dass wir die Leute wirklich so lieben, wie wir es immer so betonen.

Ich glaube ich werde einiges von diesem Buch lernen.Einen Satz finde ich jetzt schon sehr treffend:

„Für beide, die Mosaik Generation (geb. zwischen 1984-2002) und die Boomer (geb. 1965-1984) ist das wichtigste ihres Lebens Beziehungen. Sich seinen Freunden gegenüber loyal zu zeigen ist eines ihrer höchsten Werte. Sie haben ein ausgeprägtes Bedürfnis irgendwo dazu zu gehören, etwa einer Gruppe anderer, die sie anerkennt und sich loyal ihnen gegenüber verhält. Doch unter diesem ausgeprägten Beziehungsbedürfnis liegt ein ungezähmter Individualismus.“( „Unchristian“ S. 22)

Dieses Spannungsfeld zwischen dem ungezähmten Individualismus und dem unbedingten Dazugehören wollen ist mir schon oft begegnet – im Spiegel genauso wie bei anderen. Und auch anderen Reaktionen von den 6 Punkten bin ich schon begegnet…ich bin gespannt was das Buch noch so bringt.

Die Jugend…

„Die Jugend liebt heutzutage den Luxus. Sie hat schlechte Manieren, verachtet die Autorität, hat keinen Respekt vor den älteren Leuten und schwatzt, wo sie arbeiten sollte. Die jungen Leute stehen nicht mehr auf, wenn Ältere das Zimmer betreten. Sie widersprechen ihren Eltern, schwadronieren in der Gesellschaft, verschlingen bei Tisch die Süßspeisen, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer.“

Mit diesem Zitat eines Gelehrten (wer das war wird unten aufgelöst) – steige ich mal ein in ein paar Gedanken über diejenigen, mit denen ich am meisten zusammen bin, am leidenschaftlichesten Gemeinde baue, am heftigsten streite und am flammendsten liebe: Jugendliche.

Ich schicke vorweg, dass ich mit „Jugendlichsein“ die interessante Zeitspanne zwischen 13 und ca. Ende 20 meine, die entweder durch Ehe, Kinder oder einen Entschluss („ich bin erwachsen und schliesse aus freien Stücken eine Riester Rente ab“) beendet wird. Diese Zeit wurde in den letzten Jahren von allen vergöttert – jeder wollte und die meisten wollen immer noch jugendlich sein.

Warum ist das die Alterspanne mit denen ich am meisten Zeit verbringe? Ich fühle mich tatsächlich in der Gegenwart von 16jährigen wohler als in der Gegenwart von 40jährigen, obwohl ich den 40jährigen näher bin oder sein müsste. Ich bin fasziniert von dieser Zeit des Lebens, die nichts kennt, die gerade erst kennen lernt, die sich nicht festlegt, weil man ja etwas verpassen könnte, die im Jetzt lebt und das morgen morgen sein lässt (es sei denn die übereifrigen wohlmeinenden Eltern erinnern sie zu häufig daran) und in denen Gaben und Talente schlummern, die kostbaren Edelsteinen gleichen. Ein paar dieser Gaben und Talente durfte ich helfen zu entdecken, einigen konnte ich mittlerweile ein Stück ihres Weges weiter helfen und viele herausfordernd über ihre Beziehung zum Schöpfer des Universums nachzudenken. Kenne ich mich mit Jugendlichen aus? Kann man zweimal in den selben Fluss springen? Natürlich kenne ich mich nicht mit Jugendlichen aus – ich kenne nicht mal mehr die Charts (ich weiß nur, dass sie weniger wichtig werden in Zeiten von YouTube und MySpace)!

Und natürlich kenne ich mich mit Jugendlichen aus – ich lebe einen Großteil meines Lebens mit ihnen – wichtig ist mir dabei, dass sie Partner sind. Echte und wirkliche Partner, denen ich nicht ein Gesicht zeige, das professionell geglättet ist (ich schaffe ja noch nicht mal mich zu rasieren), sondern vieles von mir widerspiegelt – ich nehme sie ernst und gebe gern Chancen und Vertrauen. Blind, blauäugig und naiv vertraue ich manchmal sogar Leuten Dinge an, von denen ich weiß, dass sie schiefgehen. Aber wie einst einem jungen Basser (mir selbst – jemand hat mir einen Auftrag gegeben, den ich vergaß und er wußte, dass ich ihn vergessen würde) oder einen Fischer namens Petrus bringt genau dieses Vertrauen, dass ganz gegen unsere erwachsene Effektivität geht, gerade wenn es enttäuscht wird einen seltsamen Ertrag: Jemand traut mir etwas zu, obwohl ich es vermasseln werde. War der Vater, der seinen Sohn verloren gehen lässt, nicht völlig verantwortungslos? Ist nicht der Vater der Böse in der Geschichte – unverantwortlich – so viel Vertrauen wegzuwerfen – und so viel Geld.

Ich hatte heute morgen ein Gespräch, in dem es darum ging, dass „die Jugendlichen“ kein Durchhaltevermögen mehr haben – ich glaube das nicht, sondern die Dinge, in denen wir durchhalten sind andere als diejenigen, die unsere Eltern durchgehalten haben. Wir sind anders (ich schliesse mich trotz Ehe und Kind mal mit ein) – aber fähig etwas zu bewegen. Wir haben alle Anlagen, die wir brauchen, noch die Rastlosigkeit, die uns bewegt und den Willen etwas zu verändern. Mehr vom selben wird uns in vielem nicht weiterbringen, sondern eher mehr von den Respektlosen, von denen, die keine Manieren haben, die ihren Eltern widersprechen und die Süßspeisen verschlingen. Mir ist klar, dass wir uns ergänzen müssen, die Älteren und die Jüngeren – die Frage ist dabei: Was ist die Aufgabe der Älteren? Wenn Du einer der Älteren bist frag dich doch mal, wo du Vertrauen verschenkst oder den Jüngeren hilfst ihre Schätze ans Tageslicht zu bringen. Das geht uns alle an – einige Leute beim CVJM haben als ich 2002 angefangen habe gesagt, dass sie jetzt mit Mitte 30 zu alt für Jugendarbeit seien – heute habe ich von einem 50 Jährigen Jugendleiter gehört, der viel Herz hat. Haben sich die Jugendlichen von den Älteren abgewendet oder haben eher die Älteren die Jugendlichen im Stich gelassen und die Väter und Mütter der verlorenen Kinder die Tore verschlossen für Leute, die nach Schwein stinken und das Erbe durchgebracht haben?

Ach ja – das Zitat von oben stammt von einem interessanten Philosophen namens Sokrates und beweist, dass diese Fragen auch nicht eben neu sind. Aber wichtig. Was denkst Du?

Bekenntnis und Vergebung

An diesem Wochenende haben wir zusammen einen kurzen Gottesdienst gefeiert am Sonntag Morgen, den ich besonders fand. Dabei war seit langem einmal wieder eine Stille, in der man seine schuld vor Gott bringen konnte und eine Zusage über die Vergebung, die darauf folgt.

Es ist eigentlich ein einfacher Teil einer alten Liturgie, aber wie wichtig und auch wie wirksam ist es zu Bekennen. Ich werde in letzter Zeit häufiger mal darauf angesprochen, dass ich in der Wahrnehmung anderer „mich fertig mache“ – ich empfinde es eher so, dass ich lerne darüber zu reden, was ich als Fehler und Schuld in meinem Leben identifiziere. Es ist nicht immer leicht das beim Namen zu nennen, aber wie heilsam ist es offen darüber reden zu können, was auch nicht gut läuft. Vielleicht ist meine Selbstwahrnehmung zu kritisch, dass kann sein, aber wie gut tut es nicht sich immer nur ins beste Licht rücken zu müssen, sondern auch sagen zu können was schwer fällt, was ich auch einfach nicht schaffe oder nicht kann. Ich beobachte in viele Gemeinden, dass der Teil „Bekennen“ und dem Zusprechen der Vergebung fehlt, ob bewusst oder unbewusst. Ich glaube das die Gemeinden in Deutschland gut daran täten wieder neu diesen Bereich in den Blick zu bekommen…was denkst Du?

Eine neuer ASBO Jesus: Frauen und Männer

Treffer. Oder?

Ãœbersetzung Tafel: Das durchschnittlich-menschliche Gehirn – links Mann, rechts Frau (Trivia heißt soviel wie ‚Wissenswerte Kleinigkeiten‚)

Ãœbersetzung Professor:

„Wür können hier auf diesär unglaublisch wissenschafftlichen Seichnung sähr deutlisch sähen, dass wäder die Frau noch der Männ an sich bässer geeignet ist, um DER Leitär zu sein. Ich leitä davon ab, dass wänn die Kürche wünscht in düsem Jahrtausend weiter zu bästehen der äinzige Wäg vorwärts in Gnadä und Demut gegenüber dem anderen bestäht. Professor Hans Heinz ASBO Universität“

[Quelle: ASBO Jesus 506]

Kindergarten Lektionen

Beim Lesen und nachforschen über „Missional“ bin ich über einen netten Blogpost gestolpert, den ich euch nicht vorenthalten mag (gefunden bei: Jonathan Brink – aus einem amerikanischen Kindergarten, ich übersetze:)

„Während mein Sohn vom Kindergärtner gelobt wurde (während einer Entlassungsfeier aus dem Kindergarten) sind mir die vier kleinen Schilder aufgefallen, die direkt hinter ihm an der Wand angebracht waren…

Das rote Schild trägt die Aufschrift: ‚Wir respektieren die Rechte der anderen‚.

Das gelbe Schild: ‚Es ist schlau um Hilfe zu bitten‚.

Das blaue Schild: ‚Wir dürfen Fehler machen‚.

Das grüne Schild: ‚Es braucht Mut ein Risiko einzugehen‚.

Als ich diese Schilder las, hatte ich eine Frage in meinem Kopf: Was würde geschehen, wenn wir diese 4 Schilder in unserer Kirchengemeinde aufhängen würden? Andere respektieren, um Hilfe bitten, Freiheit auch Fehler zu machen und mein liebstes: Mut um ein Risiko einzugehen…Und etwas in mir hat sich gefragt, ob jemand diese Schilder schnell wieder entfernen würde. Und doch waren sie grundlegend in der frühen Kirche.

Was würde passieren, wenn Du diese Schilder in deiner Kirche nächsten Sonntag aufhängen würdest?

Ich frage mich, was in deutschen Kindergärten für Schilder hängen. Mit den Rechten der anderen haben wir evtl. nicht so viele Probleme (mir hängt das ewige „In meiner Sicht“ „Für mich ist das so und so“ „ich lasse dich stehen, aber sehe das hier und dort anders“ schon ein wenig zum Hals raus…vermutlich ist das Schild dann doch wichtig für mich…) Es ist schlau um Hilfe zu bitten erinnert mich an meine Anfangstage beim CVJM, wo das jemand zu mir gesagt und verbunden mit Schild Nr. 3 „Du wirst Fehler machen und das ist gut“ – das hat mir damals viel Freiheit gegeben. Ich habe Gestern eine Predigt darüber gehalten, was die Praxis der ersten Kirche war und wie uns das konkret herausfordern kann – lernen aus dem Kindergarten, der Urzelle der Kirche – keine schlechte Idee – im Gegenteil – das Gebot der Stunde, wie mir scheint.

Es braucht Mut ein Risiko einzugehen?“ Ich habe neulich in einem Buch das Zitat von John Wimber gelesen: Glaube buchstabiert man R-i-s-i-k-o, nicht unbedingt meine Alltagserfahrung, leider. Fehlt es uns so sehr an Mut und: Was würde passieren, wenn wir den Mut finden würden Gottes Träumen zu folgen? Radikal zu leben, Zeit und Geld zu investieren, etwas aufzubauen? Haben wir Angst Fehler zu machen? Oder sind wir zu stolz um Hilfe zu bitten? Vielleicht respektieren wir die Rechte der anderen oder die eigenen Rechte auch zu sehr…

Anselm Grün und die Mönche von Münsterschwarzach

Münsterschwarzach, irgendetwas sagt mir der Name...“, dachte ich, als ich an dem Schild an der Autobahn vorbei fuhr. „Da müssen wir hin„, habe ich dann zu Mirja gesagt. Gesagt, getan – wir waren sogar zweimal dort in dem Benediktinier-Kloster von Anselm Grün – das war es auch, was es mir gesagt hat. Anselm haben wir nicht gesehen uns aber dafür mit zwei netten Brüdern der dortigen Buchhandlung über die Bedeutung von Weihrauch, Bibel und Gottesdienst ausgetauscht, im „Fairhandel Laden“ eine Lampe gekauft (die Schränke…ich hätte bestimmt 3 Schränke sofort mitnehmen können…), Die Klosterkirche besucht (siehe Bilder) und uns gefreut über die Aktionen dieser lebendige Bruderschaft. Von dem Projekt „Nachhaltige Energien aus lokalen Energieträgern“ bis hin zur DVD über das Klosterleben (einen kurzen Ausschnitt gibt es bei YouTube) und einem eigenen Buchverlag (Vier Türme Verlag) hat dieser Orden einfach alles, was man sich von einer lebendigen spirituellen Gemeinschaft wünscht und vorstellen kann.Mönche Münsterschwarzach.jpg

Ganz besondern spannend finde ich, dass sie auch eine Schule unterhalten – ganz nach alter Benediktinischer Tradition und man immer wieder den Blick in die lokale Umgebung und den weiten Blick in die Welt bei ihnen finden kann.

Ob ich ein Fan geworden bin? Zumindest ein wacher, positiver Beobachter und jemand, der dem gelebten Glauben und der Spirituellen Familie der Mönche einiges abgewinnen kann. Ich habe mir auch die DVD gekauft (kann man gern mal auf nen Abend bei uns anschauen & drüber reden, was man lernen kann…) und verstehe jetzt ein wenig mehr von dem Buch „Ordnung, Stille, Klarheit“ (Anselm Grün) und seinem realen Hintergrund.

Besonders der kleine Buchladen ist zauberhaft und hat uns wieder zum Kauf eines Kinderbuchs verleitet (

„Sag doch was!“ (Polly Dunbar)) und ich habe mich an etwas anderen Gottesdienstutensilien eingedeckt, um nicht zu viel zu verraten…

Man kann übrigens auch dort im Gästehaus für Tagungen oder Rückzugstage unterkommen oder Seminare der Brüder besuchen – die Fair Handel Gesellschaft hat dort ihr Lager und auch den Lagerverkauf mit vielen genialen Dingen (manche sogar runtergesetzt, weil Lagerverkauf…) – naja ihr merkt schon: Münsterschwarzach ist eine Reise wert oder einen Abstecher, wenn ihr noch nicht dort wart.

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